Die Störche Oberschwabens


Rohrdorf



2018: Schon vor Mitte März erschien ein Storchenmännchen in Rohrdorf und interessierte sich für die Nistplattform auf dem Mast. Der letztjährige Horstinhaber "Hinkebein" kommt normalerweise um diese Zeit noch nicht aus dem Winterquartier, und es war auch prompt ein anderer Storch, nämlich ein Pfälzer aus Wörth, drei Jahre jung. Würde sich nun in Rohrdorf die Geschichte von Göggingen wiederholen, dass sich "Hinkebein" hier einen neuen Horst nach dem anderen baut?
Ungefähr zwei Wochen später gesellte sich dem Pfälzer eine Storchendame aus der Schweiz zu, und die beiden verstanden sich so gut, dass sie schon in den letzten Märztagen auf einem Gelege saßen. Mittlerweile sind die kleinen Störchlein geschlüpft, es sind mindestens drei an der Zahl, vielleicht sogar vier. Hoffentlich gibt es keinen tagelangen kalten Dauerregen während der weiteren Jungenaufzucht, denn die Eltern müssen das Futter für die Kleinen aus größerer Entfernung holen, direkt bei Rohrdorf gibt es nur wenig Nahrung für die Störche.
"Hinkebein" hat sich bisher übrigens nicht blicken lassen. Wo er wohl abgeblieben ist? Hoffentlich ist unserem berühmten Baumeister im Winterquartier oder auf dem Zug nichts zugestoßen!

2017: Etwas traurig sind sie schon, die Gögginger. Ist ihnen doch tatsächlich ihr Baumeister Hinkebein untreu geworden. Nachdem ihm in Göggingen schon wieder sein Nest von einem anderen Storchenpaar weggenommen worden war, hatte er wohl nun doch endlich die Nase voll, hat Göggingen den Rücken gekehrt und ist nach Rohrdorf umgezogen. Vielleicht spielte bei seiner Entscheidung auch das Ausbleiben seiner unberingten Gattin, die bisher mit ihm stets durch Dick und Dünn gegangen war, eine Rolle.
In Rohrdorf vermählte sich Hinkebein mit einer jungen Störchin von der Baar (sie schlüpfte im Jahr 2014 in Biesingen im Landkreis Villingen-Schwenningen aus dem Ei). Man war nicht gerade früh dran (Hinkebein kam ja schon immer ziemlich spät aus dem Winterquartier) und beide mussten sich noch etwas kennenlernen, und so war es schließlich Mitte Mai (so ziemlich der spätest mögliche Termin) als man endlich zur Brut schritt. Mitte Juni schlüpfte dann ein kleiner Storch aus dem Ei (viel mehr Nachwuchs hätte sich das Paar um diese Zeit auch nicht mehr leisten können, denn sie müssen in diesem Fall mit ausreichend Nahrung für eine rasche Entwicklung des Nachwuchses sorgen). Allerdings lebte er nur etwa eine Woche, denn es war heiß und Nahrung für kleine Störche war um diese Zeit ziemlich knapp: Insekten sind in der intensiv genutzten Landschaft mittlerweile Mangelware und an Regenwürmer war bei der Trockenheit kaum heranzukommen. Auch sind die Nahrungsgebiete um Rohrdorf nicht gerade üppig.
Das Paar war wohl ziemlich frustriert, zog sehr schnell ab und hielt sich von da an in Engelswies auf. Und dort passierte dann leider ein Unglück. Das Weibchen erlitt auf einem Mittelspannungsmast – die Sorte, an der die meisten unserer Stromopfer umkommen (Mast mit Doppelabspannern und untauglichen Büschelabweisern als „Sicherung“) – einen tödlichen Stromschlag.
Wohin sich Hinkebein wohl nächstes Jahr wenden wird?


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