| 2011: "Storchennest" heißt ein Kindergarten in Göggingen. Bei den Touren von meinem Wohnort ins Oberschwäbische fahre ich oft daran vorbei. Jetzt haben die Gögginger ein echtes Storchennest. Und sie freuen sich, die Gögginger Bürger, ob des Geklappers, das auf einmal in ihrem Ort an der Ablach erschallt.
Die Gögginger Störche wurden auch gleich Medienstars. Im Radio wurde von ihnen berichtet, auch im Fernsehen waren sie schon präsent. Auch Göggingen zeigt sie auf der homepage.
Die beiden Störche bauten sich nahe des Ortskerns ein Nest auf einem Niederspannungsmast (wie es seit einigen Jahren bei den hiesigen Störchen Mode zu sein scheint). Das Weibchen trägt keinen Ring, weshalb man keine Aussagen über ihre Herkunft machen kann, auch verrät sie uns nichts über ihr Alter.
Der männliche Storch ist allerdings kein unbeschriebenes Blatt. Er hat nämlich schon mehrfach in Oberschwaben gebrütet. Geboren wurde er im Jahr 2004 in Waldbeuren. Vermählt hat er sich mit drei Jahren erstmals in Ölkofen, damals ebenfalls mit einer Unberingten. Ein Jahr später befreundete er sich in Ölkofen jedoch mit einer Munderkingerin an, mit der er bis letztes Jahr zusammenblieb. Allerdings brütete das Paar in den letzten beiden Jahren nicht mehr in Ölkofen, sondern in Rulfingen. Im letzten Jahr kam er allerdings ziemlich spät zu seinem Horst in Rulfingen zurück und musste seine Rechte auf Heim und Weib gegen ein anderes Männchen erkämpfen.
Dieses Jahr kam er zwar ein paar Tage früher, trotzdem war es schon wieder Anfang April, und wieder hatte ein anderer seinen Platz eingenommen. Im Vergleich zu seinem Rivalen 2010 war dieser Konkurrent jedoch noch einige Wochen früher am Rulfinger Horst gewesen, und die Bindung des neu verbandelten Paars war bereits sehr stark. Sie standen kurz vor der Brut. Er hatte keine Chance mehr. Anstatt ihm zu helfen, stellte sich seine ehemalige Angetraute vermutliche gegen ihn und er musste das Feld räumen, nicht ohne Blessuren davonzutragen (siehe Rulfingen).
Die neue Liebe auf dem selbst erbauten Gögginger Horst tröstet ihn sicher über die erlittene Schmach und Verletzung hinweg, auch wenn er immer noch etwas humpelt.
Juni: Als Letzte in Oberschwaben schlüpften die Jungen im Gögginger Nest. Es war der 24. Mai, als auf einmal eine Eierschale unterhalb des Horstes lag. Die Gelege von Spätbrütern sind normalerweise kleiner als die der früh brütenden Störche, und so schlüpften in Göggingen nur zwei Junge. Das ist auch gut so, denn zum Einen müssen sich die Altstörche erst mit dem neuen Nahrungsgebiet vertraut machen und zum Anderen ist der Storchenvater nicht voll einsatzfähig, denn er humpelt immer noch auf seinem verletzten Bein. Hoffen wir, dass sie trotz dieser Schwierigkeiten ihre beiden Zöglinge gut über die Runden bringen.
Anfang August: Die Gögginger Storcheneltern hatten bei der Aufzucht ihrer beiden Jungen anscheinend keine Schwierigkeiten, denn die Jungstörche erwiesen sich bei ihrer Beringung am 29. Juni als gut genährt. Anlässlich des "freudigen Ereignisses" gab es unterhalb des Storchennestes ein kleines Fest, bei dem die Gögginger Bürger viel Wissenswertes über ihre neuen Mitbewohner erfuhren. Noch am letzten Julitag flogen die Gögginger Jungstörche erstmals frei über Dächer und Wiesen und ließen ihre Nestgebundenheit hinter sich. Bald wird es ruhiger werden in Göggingen, die Anwohner werden das nun schon gewohnte Klappern vermissen. Aber es wird ja irgendwann wieder Frühjahr, und die Gögginger Störche werden sicherlich wiederkommen.
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