Die Störche Oberschwabens



Menningen

Menningen



2017: Das Nest in Menningen wird von denselben Störchen bewohnt wie im Jahr zuvor: dem Frickinger (Bodenseekreis) und seiner Gattin aus Möggingen (bei Radolfzell im Landkreis Konstanz), beide nun sechs Jahre alt. Um den 20. April begann es im Horst richtig lebendig zu werden, denn im Menninger Nest ist – wie übrigens dieses Jahr in vielen Horsten Oberschwabens – Einiges los: vier kleine Störche (na ja, mittlerweile sind sie schon ganz schön groß) tummeln sich darin, und bei der Beringung am 31. Mai wog der größte von ihnen dreieinhalb Kilo, was in etwa das Optimalgewicht eines männlichen fünf- bis sechswöchigen Storchs darstellen würde.

Juli: Ziemlich genau elf Wochen hielt es die Menninger Jungschar auf ihrem Nest, dann war es endlich soweit. Ihre Schwingen trugen, sie konnten sich dem neuen Element anvertrauen, die Zeit der Bodenhaftung war vorbei. Jetzt jagen sie zusammen mit ihren Eltern Mäuse auf den umliegenden Wiesen, aber auch diese Wiesen werden sie bald verlassen, um sich mit anderen Jungstörchen zu treffen und in südlichere Gefilde zu ziehen. Denn der nächste Winter kommt bestimmt...

2016: In Menningen ist das Nest wieder vom altbekannten Brutpaar besetzt: er aus Frickingen, sie aus Möggingen, beide also aus der Bodenseeregion und mittlerweile fünf Jahre alt. Sie begannen mit der Brut um den 20. März und brachten etwa einen Monat später vier Junge zur Welt, von denen allerdings das Nesthäkchen den Eisheiligen zum Opfer fiel. Hoffen wir, dass die übrigen drei ihre weitere Nestlingszeit gut überstehen und ihnen Petrus in den nächsten Tagen besser gesonnen ist.

Juli: Wie in vielen Horsten Oberschwabens so traf die zweite Kältewelle am 23./24. Mai auch die Jungen im Horst in Menningen hart. Sie waren zu groß, um noch unter die Altstörche zu passen, und so starben von den verbliebenen drei Jungstörchen noch zwei. Einer überlebte jedoch alle Wetterkapriolen und konnte am 6. Juni beringt werden.
Mittlerweile ist der Jungstorch schon zusammen mit seinen Eltern auf den Wiesen unterwegs, denn um den 1. Juli schüttelte er erstmals seine Nestgebundenheit ab und erhob sich in die Lüfte. Jetzt heißt es, die Flugkünste zu vervollständigen und nochmal ordentlich futtern, denn bald sammeln sich die Jungen, um dann Anfang oder Mitte August Süddeutschland den Rücken zu kehren und sich auf die erste große Reise zu begeben.

2015: Die letztjährigen Menninger Brutstörche sind ihrem Horst treu geblieben. Schon am 25. Februar klapperte es auf dem Nest, beide waren zurückgekommen. Da man sich schon kennt, konnte man dieses Frühjahr auch ein paar Tage früher mit der Brut beginnen, und so sitzen die Beiden seit ungefähr 22. März abwechselnd auf einem Gelege.

In der letzten Aprilwoche wurde es im Menninger Nest zunehmend lebendig. Nach und nach erblickten fünf kleine Störchlein das Licht der Welt. Zwar waren die Eisheiligen dieses Jahr ziemlich zahm, doch folgten darauf ein paar kalte und nasse Tage, die der kleinste der fünf nicht überstand. Die übrigen vier hielten aber wacker durch und schafften es problemlos bis zum Ausflug.

Bevor es jedoch soweit war, erwartete sie noch ein besonderes Ereignis. Sie bekamen Besuch von der Vogelwarte, denn drei von ihnen wurden für das derzeit laufende Besenderungsprojekt ausgewählt. Am 16. Juni wurden alle vier mit Hilfe der Meßkircher Feuerwehr vom Horst geholt, erhielten ihren Kennzeichnungsring, und drei von ihnen bekamen einen Rucksack mit einem 55 g schweren Datenlogger übergestreift, der in Zukunft jeden Schritt bzw. Flug von ihnen melden wird. Datenschutz? Fehlanzeige.  Noch sind die Daten nicht ins Internet eingespeist, aber bald kann jeder verfolgen, wohin sie in den Süden ziehen, wie schnell sie ziehen und wo sie in Zukunft ihre Nahrung suchen werden. Man darf gespannt sein. Den Menninger Bürgern gab die Besenderung Anlass zu einem kleinen Fest mit Limo, Bier und Würstchen. Interessiert begutachteten sie die Datenlogger, verfolgten jeden Handgriff der mit der Besenderung betrauten Mitarbeiter der Vogelwarte und wachten mit Argusaugen darüber, dass ihre Jungstörche auch mit allem Respekt und Sorgfalt behandelt wurden (Beanstandungen gab es keine).

2014: Auch in Menningen klapperte es in diesem Jahr schon sehr früh; ähnlich wie im übrigen Oberschwaben, kamen die Störche schon im Februar an. Am 23. Februar erschien ein Paar, das nach den Ringen jedoch eindeutig nicht das letztjährige Brutpaar war. Der männliche Storch stammte aus Hasenweiler, dort im Jahr 2010 geboren, die Störchin stammte aus Möggingen bei Radolfzell am Bodensee, ein Jahr jünger als er. Mitte März war es dann aber mit der trauten Zweisamkeit vorbei. Das letztjährige Brutmännchen erschien, forderte seinen Horst ein und – gewann den Kampf gegen den Hasenweilerer. Das letztjährige unberingte Brutweibchen hat sich jedoch anscheinend einen anderen Horst gesucht, was wir wegen der fehlenden Kennzeichnung nicht nachprüfen können.
Neue Liebe, neues Glück, mit seiner neuen Mögginger Dame verstand er sich jedenfalls auch ganz gut, und so stand der Brut, die Ende März begann, nichts mehr im Wege.
Der Hasenweilerer hat übrigens inzwischen auch einen Platz gefunden. Er baute einen neuen Horst auf dem Kamin der katholischen Kirche im benachbarten Meßkirch.

Juni: Ende April schlüpften im Menninger Horst zwei kleine Storchenküken. Wie das bei Adebars so üblich ist (in den ersten beiden Wochen verzehnfachen sie ihr Gewicht), wuchsen Paul und Paulinchen, wie sie später genannt wurden, schnell heran. Am 7. Juni erhielten sie ihren Personalausweis, den schwarzen ELSA-Ring mit persönlicher Nummer, was von den Menninger Bürgern mit einem kleinen Fest gefeiert wurde.  Schließlich sind die Störche ja erst im zweiten Jahr in Menningen, und man freut sich, dass es wieder mit Nachwuchs geklappt hat.

2013: Überraschung für Menningen.
Nach und nach werden die Lücken in der noch nicht lange besiedelten Region um Meßkirch und Krauchenwies geschlossen. Letztes Jahr fehlte eigentlich nur noch ein Storchenpaar in Menningen. Jetzt ist es da.
Um den 10. April erschienen sie in Menningen: ein noch blutjunger Adebar aus Frickingen am Bodensee und seine unberingte Freundin. Sie bauten sich selbst ein Nest auf einem Niederspannungsmast. Und erfreulicherweise ging die EnBW auf die Bitte ein, den Mast erst im Herbst nach der Brutzeit zu sichern. Denn häufig schon kam es in den letzten Jahren vor, dass brutwillige Störche sich durch die Sicherung gestört fühlten und den anvisierten Brutort umgehend wieder verließen.

Ende April war es soweit. Die ersten Eier lagen im Nest. Die Küken schlüpften plangemäß nach ca. 32 Tagen, also genau inmitten des Dauerregens. Sie waren ja noch sehr klein und wurden gut von den Eltern bedeckt, und auch das Nest war durchlässig genug, und so überlebten die drei kleinen Störche diese unwirtliche Zeit, die vielen Störchen in Oberschwaben zum Verhängnis wurde. Wenn sie jetzt gut gefüttert werden, und es in den nächsten drei bis vier Wochen keine weitere andauernde Nässe- und Kälteperiode mehr gibt, haben sie gute Chancen, das Ausflugsalter zu erreichen.

August: Unerfahrene Eltern tränken ihren Nachwuchs bei großer Hitze manchmal nicht ausreichend, was vermutlich auch in diesem Fall der ausschlaggebende Faktor war. Der Kleinste der drei starb gegen Mitte Juni vermutlich an Flüssigkeitsmangel. Die anderen beiden sind aber fidel, konnten am 2. Juli beringt werden und wagen sich wohl demnächst erstmals vom elterlichen Nest. So langsam wird es auch Zeit. Ob sie es noch schaffen werden, mit den Jungstörchen abzuziehen, ist fraglich. Vermutlich müssen sie mit den Alten zusammen die Reise in den Süden antreten.






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