| 2011: Neue Saison, neuer Versuch. Das in Ostrach-Wangen gebürtige Männchen hat sich vom letztjährigen Desaster in Messkirch nicht abschrecken lassen und ist wiedergekommen. Seine letztjährige Gattin, die Schweizerin, hatte aber von den schwäbischen Raudis wohl die Nase voll und ließ sich dieses Frühjahr nicht mehr blicken, auch an anderen Orten Oberschwabens ist sie bis jetzt nicht aufgetaucht. Neues Frühjahr, neues Glück, der Storchenmann hat sich eben wieder neu vermählt. Über seine Angetraute weiß man allerdings nichts, denn sie trägt keine Kennzeichnung. Möglicherweise stammt sie aus dem Elsass, wo nicht alle Jungstörche beringt werden.
Die beiden verstanden sich bald recht gut, und so konnten sie schon in den letzten Märztagen erste Eier bebrüten.
Juni: Ende April gab es Bewegung im Messkircher Nest, die ersten beiden Jungen schlüpften. Im Abstand von wenigen Tagen folgten noch zwei weitere. Wie in vielen anderen Weißstorch-Horsten Oberschwabens starb auch hier das Nesthäkchen, während die übrigen Jungstörche ihre ersten Lebenswochen gut überstanden. Sie zeigten sich bei der Beringung am 8. Juni gut genährt und brachten zwischen 2,95 und 3,25 kg auf die Waage. Von den beiden Männchen, die letztes Jahr das Nest angriffen und für den Tod der Jungen verantwortlich waren, haben sie dieses Jahr nichts zu befürchten, denn diese sind derzeit mit der Bebrütung eines untergeschobenen Geleges beschäftigt (siehe Ingoldingen und Bad Waldsee).
Anfang August: Der Messkircher Nachwuchs wagte sich erstmals am 9. Juli vom Nest. Für einen der Jungstörche endete der erste Flug allerdings jäh an einer Hauswand. Er landete benommen in der Innenstadt, wo er aufgegriffen und zu einem Tierarzt gebracht wurde. Sein Glück im Unglück: Er hatte nichts gebrochen und sich auch sonst nicht ernsthaft verletzt. Nachdem man ihn etwas aufgepäppelt und gut mit Wasser versorgt hatte, flog er drei Tage später wieder los. Eine Woche danach wurde dann am Abend aus Rohrdorf ein Storch gemeldet, der auf den Wegen zwischen den Getreide- und Maisfeldern herumlief und anscheinend nicht richtig fliegen konnte. Als man ihn eine Stunde später einfangen wollte, war er allerdings verschwunden. Vier Tage später tauchte er in der selben Gegend wieder auf; hatte er sich die ganze Zeit dort aufgehalten, sich in den Maisfeldern versteckt? Diesmal konnten wir ihn fangen und ihn ebenfalls als einen der Messkircher Jungstörche identifizieren. Der Vogel wurde nach Salem gebracht, wo man ihn tierärztlich untersuchte und erfreulicherweise keine Schäden feststellte. Er hatte wohl einfach den Anschluss an die Familie verloren, noch zu wenig Nahrung für sich selbst gefunden und deshalb etwas geschwächelt. Nach ein paar Tagen der Fürsorge am Affenberg konnte er fliegen, und man ließ ihn frei.
2010: Am 17. März kam der erste Storch in Messkirch an. Es war
nicht das letztjährige Brutmännchen (ein Unberingter), sondern
ein zweijähriger Oberschwabe aus Ostrach-Wangen. Einen Tag später
gesellte sich ein Weibchen zu ihm. Auch dieses war nicht die letztjährige
Brutstörchin (die 16-jährige Deisendorferin mit einem Metallring
am rechten Bein), sondern eine Störchin mit schwarzem Ring. Der
Ring war jedoch so verschmutzt, dass die letzten beiden Ziffern nicht
zweifelsfrei abgelesen werden konnten, es handelte sich jedoch um eine
Störchin aus dem süddeutschen Raum.
Ob die beiden vorjährigen Messkircher zu spät kamen oder erst überhaupt
nicht in Messkirch aufgetaucht sind, lässt sich nicht mit Sicherheit
sagen. Am 26. März waren jedenfalls drei weitere Störche am Nest
auf dem Rathaus und zettelten heftige Kämpfe an. Unser Messkircher
Paar könnte dabeigewesen sein, den Kampf aber verloren haben, denn
die Angreifer waren vermutlich erst frisch angekommen und noch vom Zug
erschöpft. Ein Unberingter hat noch am gleichen Tag ein neues
Nest in Krauchenwies besetzt, ob es unser
Messkircher Brutmännchen ist?
Die Dame aus Deisendorf wurde allerdings
auch danach nirgendwo gesichtet. Fest steht, dass bei den drei einfallenden
Störchen auch eine Schweizerin
dabeigewesen sein muss, die bei den Kämpfen am 26. März in Messkirch
das Rennen machte. Denn sie war von da an mit dem Ostrach-Wangener zusammen
und bebrütet nun seit Anfang April mit ihm ein Gelege.
Juni: Um den 10. Mai schlüpften aus dem Gelege die ersten Storchenküken.
Insgesamt wurden es drei. Die ersten Tage in Nässe und Kälte überstanden
sie dank des Schutzes der Eltern ohne größere Probleme und
alles ging gut bis zum 29. Mai, als sich ein Drama anbahnte:
Dem Bad Waldseer jungenlosen Schwulenpaar
fiel es auf einmal ein, sich die Langeweile durch einen Horstumzug zu
vertreiben (genauso wie vor zwei Jahren, als sie von Ingoldingen nach Bad
Waldsee umzogen und die
dortige verwitwete Brutstörchin "Antonia" vertrieben).
Und sie suchten sich ausgerechnet den so ziemlich am weitesten von Bad
Waldsee entfernten Horst dazu aus, nämlich den Horst von Messkirch.
Am Nachmittag des 29. Mai erschienen sie dort zusammen mit einem dritten,
wahrscheinlich Halbstarken und begannen, den Horst anzugreifen. Die Elternstörche
von Messkirch mussten gemeinsam ihren Horst und ihre Jungen verteidigen,
an Futtersuche war nicht mehr zu denken. Unglücklicherweise wurde
auch noch das Wetter schlecht und es regnete teilweise in Strömen.
Am folgenden Morgen setzte sich die Belagerung durch die beiden Bad Waldseer
fort. Gegen 11 Uhr machte einer der Messkircher Altstörche einen
letzten verzweifelten Versuch, die beiden Eindringlinge, die sich auf
der benachbarten Sirene niedergelassen hatten, zu vertreiben, und jagte
sie über die Dächer der Stadt, um dann endlich ins Nahrungsgebiet
zu fliegen. Denn seine Jungen – bzw. die, die noch lebten (gesehen
wurde zu diesem Zeitpunkt nur noch ein einziges) brauchten dringend Futter.
Der zweite Altstorch blieb zur Bewachung zurück. Die beiden Waldseer
kamen jedoch wieder, stellten sich wieder auf ihren Platz und ruhten
sich einige Minuten aus. Dann griffen sie massiv den bewachenden, nun
allein verteidigenden Messkircher Altstorch auf dem Nest an. Bei diesem
heftigen Kampf ging es drunter und drüber, sodass Einzelheiten nicht
zu erkennen waren. Jedenfalls verließen schließlich drei
Störche das Nest, und zwei kamen wieder zurück. Es waren nicht
die Messkircher! Die Waldseer hatten demnach entgültig den Horst
erobert, vom Jungstorch, der sich zuvor noch im Nest bewegt hatte, war
nichts mehr zu sehen. Wahrscheinlich war er beim Kampf getötet oder
aus dem Nest geworfen worden, weshalb sich der Messkircher Altstorch
auch nicht mehr für den Horst interessierte, denn er kam nicht mehr
zurück.
Leider war der Hausmeister an diesem verhängnisvollen Sonntag nicht
erreichbar und auch sonst keine Person, die den Zugang zum Dach des Rathauses
hätte öffnen können. Denn es bestand noch eine – allerdings
geringe – Hoffnung, dass der kleine Storch den Sturz vom Kamin auf das
Flachdach überlebt hatte. In diesem Fall hätte man ihn aufgepäppelt
und in einen anderen Horst Oberschwabens zu einer Storchenfamilie gebracht.
Die Jungenaufzucht fand jedenfalls ein jähes Ende, und möglicherweise
wird es auch im nächsten Jahr in Messkirch keine kleinen Störche
geben. Denn es sieht sehr danach aus, als würde das gleichgeschlechtliche
Paar bleiben wollen (siehe auch Bad Waldsee).
Aktuellste Nachricht aus Bad Waldsee vom 4. Juni: Die beiden Angreifer
sind zurück in Bad Waldsee und stehen wieder auf dem Steinacher
Horst. Was sollte das Ganze? Einfach nur Langeweile oder gar Elternneid?
Juli: Der Messkircher Storchenhorst blieb nicht lange leer.
Die Bichtlinger Störche, 2010 erstmals in Oberschwaben brütend,
zogen nämlich nach Brutverlust um den 20. Juni nach Messkirch um
und blieben dort. Vermutlich werden sie sich nächstes Jahr für
den Messkircher Horst entscheiden.
2009: Die Meßkircher Bürger freuen sich, denn es hat wieder
ein Storchenpaar zu ihnen gefunden. Allerdings sind es nicht die Störche
vom letzten Jahr. Das war auch nicht zu erwarten, denn die letztjährigen
Störche dürften Meßkirch nach ihren üblen Erfahrungen
dort für alle Zeit meiden (wir erinnern uns: es wurde kurz vor dem
Schlupf der Jungen in Nähe des Nestes eine Kamera installiert, eine
Aktion von mehr als drei Stunden; die Störche kehrten nicht mehr
zu ihren erkalteten Eiern zurück).
Es handelt sich um einen unberingten Storchenmann und eine Storchendame
mit einem Aluring unten am Fuß. Der Ring ist nur schwer zu sehen,
weshalb es bisher nicht gelang, die Störchin zu identifizieren. Bei
der letzten Kontrolle am 9. April wurde zwar noch nicht gebrütet,
dem Verhalten nach zu urteilen, könnte das erste Ei aber bereits gelegt
sein.
Einer der letztjährigen Meßkircher Störche wurde übrigens
in einem anderen Brutort Oberschwabens gesichtet. Das Männchen ist
nach Ölkofen gezogen, wo es ziemlich sicher auch brüten wird.
Das Neueste: Am Donnerstag, den 30. April, konnte endlich
das Meßkircher
Storchenweibchen identifiziert werden. Es handelt sich um die ehemalige Waldbeurener Brutstörchin, 1994 in Deisendorf geboren. Warum sie plötzlich nach
langen Jahren ihren bisherigen Brutort und den Waldbeurener Gatten verlassen
hat, bleibt wohl ihr Geheimnis (siehe auch Waldbeuren).
Juni: Da derzeit der Kirchturm saniert wird und nicht
bestiegen werden darf, war es zuerst etwas schwierig, die genaue Jungenzahl
im Meßkircher
Horst festzustellen. Geschlüpft sind Mitte Mai drei Junge, was am 2.
Juni bestätigt werden konnte.
Juli: Die Meßkircher Jungstörche hatten das
Unwetter Ende Mai tatsächlich gut überstanden, und so konnten
alle drei am 19. Juni beringt werden. Im Zuge dieser Aktion auf dem Dach
des Rathauses entdeckte man unterhalb des Kamins dann noch einen ganz
kleinen Kadaver eines Jungstorchs, der wohl gleich nach dem Schlupf gestorben
und aus dem Nest geworfen worden war.
Jetzt wird es wohl bald soweit sein, und
das Meßkircher Trio verlässt
sein trautes Nest. In hohen Sprüngen erheben sich die Halbstarken über
das Nest, und die Eltern stehen auf den Nachbardächern und locken.
Sie bringen ihren Sprösslingen jetzt auch nicht mehr so viel zu fressen,
denn selbst Futter fangen ist jetzt angesagt. Es wird ja auch langsam Zeit,
gut fliegen zu lernen, denn im August geht es los nach Frankreich und Spanien,
wer weiß, vielleicht sogar nach Afrika.
2008: Groß war die Freude bei
den Meßkircher Bürgern, als Anfang April ein Weißstorchpaar
in Meßkirch erschien und durch Nestbauaktivitäten auf dem
Kamin des Rathauses zu verstehen gab, man wolle hier in Meßkirch
bleiben und, wenn möglich, Junge aufziehen. Schon seit Jahren wartete
man in Meßkirch auf Störche und hatte ihnen ein Nest auf dem
Schloss angeboten, doch kein Adebar wollte dieses Nest annehmen. Anscheinend
gefällt es den Störchen über dem Trubel der Stadt besser,
wo zahlreiche sich aufheizende Dächer außerdem für gute
Aufwinde sorgen.
Stadt und privater Naturschutz reagierten schnell und
boten den Störchen
eine Nistunterlage auf dem Kamin an, die auch prompt bebaut wurde. Der Storchenmann
ist ein Oberschwabe, er wurde vor zwei Jahren in Ehingen an der Donau geboren.
Seine Angebetete ist eine Französin. Das Paar fackelt nicht lange, in
den letzten Apriltagen hat es tatsächlich mit dem Brutgeschäft
begonnen.
Juni: Ein oder zwei Tage vor dem Schlupf der ersten Jungen
in Meßkirch
fand die Brut ein jähes Ende. Endlich hatte man Störche in Meßkirch,
da wollte man die Sensation natürlich unbedingt sogleich im Internet
präsentieren. Mit einer Hebebühne fuhr man in Nähe des Horstes
aufs Dach des Rathauses und installierte eine Webcamera. Die ganze Aktion
dauerte einschließlich Presseeinsatz (man musste ja schließlich
die 3 Eier fotografieren) zweidreiviertel Stunden! Die Altstörche flogen
gleich zu Beginn der Störung ab, was man unglaublicherweise nicht zum
Anlass nahm, sofort das Dach zu verlassen. Das Gelege kühlte natürlich
vollständig aus, die Brut war dahin. Bis zum Abend kehrten die Störche
nicht wieder. 30 Tage lang hatten sich die Störche sorgfältig um
ihre Eier gekümmert, alles umsonst. Die Bilder der Webcamera zeigen
nun ein leeres Nest – und wenn die Meßkircher Pech haben – wird
dies auch in den nächsten Jahren so bleiben. Es ist sehr unwahrscheinlich,
dass das Paar nach dieser üblen Erfahrung hier im nächsten Jahr
nochmals einen Brutversuch wagt.
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