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Fotos: Georg Steinhauser 2011
2011: Tja, irgendwie ist Ingoldingen seit einigen Jahren hinsichtlich der Aufzucht von Jungstörchen etwas vom Pech verfolgt. Das letztjährige Storchenpaar ist nach seinem letztjährigen Brutverlust dieses Frühjahr nicht mehr in Ingoldingen erschienen, aber einer der beiden damals zweijährigen Störche, die im letzten Jahr von dem späteren Brutmännchen vertrieben wurden, und zwar der in Obermarchtal 2008 gebürtige, kam diesen März wieder. Aber auch diesmal wurde er wieder vom Horst gejagt, und zwar von unseren beiden Männchen, mittlerweile bekannt unter den Namen "Siggi" und "Roy". Siggi und Roy war es wohl in Bad Waldsee nun trotz der Publicity mit Nestkamera und Fernsehen zu langweilig, und sie beschlossen zu ihrer ehemaligen Wohnstatt auf dem Mast bei der Schule in Ingoldingen zurückzukehren. Ein paar Tage lang begannen sie auch mit dem Nestbau auf einem ähnlichen Niederspannungsmast in Mochenwangen, zum Bleiben entschlossen sie sich allerdings – zumindest vorläufig – in Ingoldingen.
Also wird es dieses Jahr hier wieder nichts mit Jungstörchen, denn die beiden sind erfahrungsgemäß ziemlich dominant und sind sich auch bei Kämpfen mit anderen Störchen stets einig. Sie werden kaum einem anderen Paar Platz machen.
Juni: Schon längerer Zeit tragen wir uns mit dem Gedanken, Siggi und Roy ein elternlos gewordenes Gelege unterzuschieben, das sie sicherlich ausbrüten würden. Dieses Jahr war es dann tatsächlich soweit. Und wie das Schicksal so spielt, stammt dieses Gelege ausgerechnet aus Bad Waldsee, wo der männliche Altstorch während der Brut auf einmal ncht mehr zum Horst zurückkehrte.
Am 3. Mai fuhren wir den Horst in Bad Waldsee-Steinach an, entnahmen die vier Eier und brachten sie sofort nach Ingoldingen. Eine Viertelstunde, bevor wir die Eier in den Ingoldinger Horst legten, waren die Storchenmänner noch dort gewesen, und es war bei dem herrschenden schlechten Wetter ziemlich sicher, dass sie sich in der Nähe aufhielten. Wir versuchten, sie mit Klangatrappen anzulocken – einen Tag zuvor hatten sie nämlich Zoff mit einem Fremdstorch, das Geklapper hätte sie also, wären sie in der Nähe gewesen, sofort zu ihrem Horst zurücklocken müssen – und suchten sie im Ingoldinger Nahrungsgebiet, um sie dort aufzuscheuchen, aber Fehlanzeige. Wider Erwarten waren sie plötzlich aus Ingoldingen abgezogen (wahrscheinlich, um wieder mal irgendwo Rabbatz zu machen) und erschienen erst zwei Tage später wieder, die Eier kühlten aus. Als sie kamen, betrachteten sie das Gelege zunächst mit Skepsis, dann beschäftigte sich aber der kleinere der beiden (derjenige, der vor Jahren schon einmal in Ingoldingen gebrütet hatte) mit den Eiern, rollte sie hin und her und polsterte das Nest um die Eier aus, während der andere zunächst mit der Situation nicht so recht etwas anzufangen wußte, und ihn auf dem Nestrand umkreiste. Schließlich setzte sich das kleinere Männchen auf das Gelege, und seitdem brüten Beide gewissenhaft. Zwar wird trotz ihres Bemühens aus dem Gelege nichts mehr schlüpfen, jedoch hält das abwechselnde Brüten die beiden Männchen derzeit immerhin von weiteren gemeinsamen Rauftouren ab, und die anderen Brutpaare haben vor ihnen Ruhe.
Neues aus Ingoldingen. Unsere beiden Männchen wurden am 11. Juni von zwei Störchen angegriffen, standen bei der Verteidigung ihres Nestes häufig vom Gelege auf und verließen dieses schließlich. Das Brüten haben sie nun endgültig aufgegeben und sind – leider – wieder auf Tour. Sie flogen am 16. Juni nach Ölkofen, wo sie den mühsam von einer Störchin allein aufgezogenen, fast schon flüggen Jungstorch töteten.
Anfang August: Von den Ingoldingern gibt es (Gott sei Dank!) nix Neues zu berichten.
2010: Es scheint möglicherweise dieses Jahr
auch in Ingoldingen mal wieder mit einer Brut zu klappen.
Am 19. März erschien ein einzelner Storch am Nest auf dem Mast bei
der Schule, verkrümelte sich allerdings zwei Tage später wieder.
Möglicherweise war es der Riedhausener, der sich den Horst schon im
letzten Sommer angeschaut hatte (siehe 2009). Dann am 27. März kam
ein Pärchen an, zwei blutjunge zweijährige,
oberschwäbische Störche aus Ersingen und
aus Obermarchtal. Diesen
wurde aber der Horst nicht lange gegönnt, denn bei einem Kampf am
28. März wurden sie von einem etwas älteren Storch (es ist tatsächlich
der 2006 in Riedhausen Geborene)
vertrieben. Die Anwohner ärgerten sich zunächst etwas über
diesen Raudi, saß er doch die nächsten Tage ganz allein auf
dem Horst und ließ die Hoffnung auf Storchenjunge in Ingoldingen
wieder mal schwinden.
Dann endlich am 9. April gesellte sich eine Storchendame zu dem Riedhausener.
Zwei Jahre jung ist die Störchin, es ist eine Südbadenerin aus
Mundingen-Emmendingen. Man muss sich erstmal richtig kennenlernen, mit
der Brut haben sie noch nicht begonnen.
Juni: Ende April war es dann soweit. Die Störche setzten sich abwechselnd
auf ein Gelege. Am 26. Mai flogen die ersten Eierschalen aus dem Nest,
und am Verhalten der Störche war erkennbar, dass die ersten Jungen
geschlüpft sein mussten.
Von Anwohnern wurden bald drei Köpfchen gesichtet. Schon am 4. Juni
war jedoch alles vorbei. Einer der Altstörche saß zwar noch
schützend im Nest, doch es regte sich nichts mehr. Die nasskalte
Witterung in Verbindung mit dem Mangel an Nahrungsgebieten in Horstnähe
sowie vermutlich auch die Unerfahrenheit der Störche hatte augenscheinlich
die Jungen sehr schnell sterben lassen. Ob sie es nächstes Jahr
hier nochmals versuchen werden?
2009: Bisher nix los in Ingoldingen. Das berühmt berüchtigte
Schwulenpaar vom letzten Frühjahr ist letzten Mai nach Bad
Waldsee umgezogen und hat dieses Jahr wieder den dortigen Horst besetzt. Ein
anderes Storchenpaar ist in Ingoldingen bisher nicht eingetroffen. Lediglich
Einzelstörche waren mal kurzzeitig da, vermutlich gefiel ihnen der
Platz jedoch nicht sonderlich, was daran liegen mag, dass seit letztem
Jahr ein Hundezwinger in nächster Nähe des Nestes existiert.
Juni: Nichts Neues aus Ingoldingen.
Juli: Doch was Neues aus Ingoldingen! Seit ungefähr 10. Juni schaut
sich ein drei Jahre alter Oberschwabe aus Riedhausen in Ingoldingen um. Drei
Wochen trieb er sich regelmäßig im Ort herum, mal auf dem
Horst der Schiggenmühle, mal auf dem Mastnest bei der Schule, und
auch jetzt ist er noch ab und zu in der Gegend zu sehen. Ob er nächstes
Jahr zu einer Brut wiederkommt und für welchen Horst er sich dann
entscheiden wird?
2008: Die Ingoldinger Störche haben sich nun doch endgültig
für das Nest auf dem Niederspannungsmast auf der Anhöhe bei
der Kirche entschieden.
Nachwuchs wird's aber wohl wieder nicht geben. Denn der Verdacht, dass
es sich bei dem Paar um zwei Männchen handelt, verdichtet sich mehr und
mehr. Sehr zärtlich sind sie zueinander und es wird auch eifrig am Nest
und seiner Auspolsterung gebaut, doch ist bisher kein Ei gelegt worden. Wie im
letzten Jahr sehen die Paarungen nicht gerade erfolgreich aus, und beim Aufsitzen
wechseln sie sich regelmäßig ab. Wie das wohl weitergeht?
Die Begebenheit
bestätigt, dass es auch im Tierreich durchaus Homo-
und auch Bisexualität gibt. Einer der Beiden war nämlich vor
zwei Jahren mit einer Störchin zusammen und hatte mit dieser ein Junges.
Juni: Mitte Mai entschloss sich das gleichgeschlechtliche
Ingoldinger Paar zu einer Luftveränderung und visierte den Kurort Bad
Waldsee an. Sie
verließen gemeinsam den Horst in Ingoldingen und vertrieben die seit
dem Tod ihres Männchens allein gebliebene Störchin "Antonia"
aus ihrem Horst in Bad Waldsee-Steinach, auf dem sie sich daraufhin häuslich
niederließen.
Bemerkenswert: Storchenpaare
ziehen in Oberschwaben selten gemeinsam um. Die Liebe oder zumindest Treue
zwischen diesen beiden Männchen scheint
größer zu sein als es zwischen verschiedengeschlechtlichen Paaren üblich
ist.
2007: Merkwürdiges trägt sich dieses Jahr auch in Ingoldingen
zu. Das in Unlingen im Jahr 2001 geborene Männchen ist dem Ingoldinger
Horst treu geblieben, nicht aber seine Angetraute. Vielleicht war es
ihre Unzufriedenheit mit dem letztjährigen Bruterfolg in Ingoldingen – das
einzige geschlüpfte Junge kam um –, die Schweizer Störchin
zog es jedenfalls vor, dieses Frühjahr nach Ummendorf umzuziehen
(wo ihr Gelege dieses Jahr allerdings von der angestammten Ummendorfer
Störchin zerstört wurde).
Ein neuer Storch, vor zwei Jahren am Bodensee geboren, nahm den Platz
der Schweizerin im Ingoldinger Horst ein. Aber irgendwie scheint es nicht
zu klappen. Denn schließlich
sind sie schon sechs Wochen da, und von Brutwilligkeit keine Spur. Die beiden
können sich möglicherweise nicht entschließen, auf der Scheune
der Schiggenmühle zu bleiben, denn sie interessieren sich auch sehr für
einen Niederspannungsmast auf der Anhöhe bei der Kirche, ein hinsichtlich
der Aufwinde und des Blicks zum Nahrungsgebiet sicherlich recht reizvoller Brutort.
Möglich ist aber auch, dass der neue Storch noch nicht geschlechtsreif,
oder aber – ein Männchen ist, denn er ist für sein Alter ziemlich
groß. Die beobachteten Paarungen sehen jedenfalls nicht erfolgreich aus,
und nicht immer ist das angestammte Ingoldinger Männchen der Aufsitzer!
(Von der Böhringer Storchenkolonie ist ein Schwulenpaar bekannt, das
schon jahrelang zusammen ist und sich zur Brutzeit ähnlich verhält
wie die benachbarten Storchenpaare – also abwechselnd auf imaginären
Eiern sitzt –, jedoch tatsächlich noch nie ein einziges Ei
gelegt hat).
Juni: Nichts Neues aus Ingoldingen. Keine Brut in diesem
Jahr.
2006: Vermutlich zum erstenmal wird der Ingoldinger
Horst dieses Jahr von Weststörchen besiedelt. Während sonst die Störche
hier immer ziemlich spät ankommen, besetzten heuer schon im März
zwei Störche das Nest. Das Männchen stammt aus Unlingen und
ist fünf Jahre alt, das Weibchen ist eine Schweizerin.
Am 6. April kam dann jedoch ein Unberingter - vermutlich einer der beiden
letztjährigen
Ingoldinger Brutstörche - am Nest an. Er fand es besetzt und zettelte einen
heftigen Kampf an, der vom Mittag bis zum Abend dauerte und bei dem er anbetrachts
der Übermacht von zwei Störchen den Kürzeren zog. Er blutete
am Hals und schlidderte mehrmals auf dem Scheunendach abwärts, zog sich
jedoch beruhigenderweise keine lebensgefährlichen Verletzungen zu. Am nächsten
Morgen war er verschwunden. Ca. eine Woche später kam nochmals ein Storch,
kreiste über dem Horst und zog dann ab; ob es der letztjährige Partner
war?
Seit Mitte April, für Ingoldingen ein recht früher Bruttermin, sitzt
das neue Paar nun auf seinen Eiern.
Juni: Schlechte Nachrichten aus Ingoldingen: Mitte Mai schlüpfte
in Ingoldingen ein Küken und auch dieses hat nicht überlebt.
Es starb Anfang Juni gegen Ende der in diesem Jahr besonders hartnäckigen
Kälte- und Regenperiode. Die Altstörche sind jedoch noch auf
den Wiesen um Ingoldingen zu sehen und werden vermutlich nächstes
Jahr wieder hier brüten.
Ende Juni gab es nochmals einige Aufregung in Ingoldingen.
Man vermutete, ein zweites Storchenpaar wolle sich in Ingoldingen niederlassen,
denn Störche bauten ein Nest auf einem Niederspannungsmast bei der
Schule. Nachforschungen ergaben dann jedoch, dass es sich um das angestammte
Paar der Schiggenmühle (das nach Aussagen von Ingoldinger Bürgern
infolge des Verlusts ihrer Jungen angeblich abgezogen war) handelte,
bei dem – sicher auch aus Langeweile – der Bautrieb wieder
einsetzte. Ähnliches wurde letztes Jahr ja auch in Bad Waldsee beobachtet,
als die dortigen Altstörche nach Ausflug der Jungstörche und
damit Enthebung ihrer elterlichen Pflichten auf einem Haus gegenüber
des Brauereikamin-Nestes einen Zweithorst errichteten. Es ist jedoch
nicht anzunehmen, dass die Ingoldinger Störche auf den Mast umziehen
werden, denn das Nest dort wurde nicht bezugsfertig gebaut.
2005: Zwar wird seit
Anfang April immer mal wieder ein Einzelstorch auf dem frisch hergerichteten
Ingoldinger Horst gesichtet, von denen einer Mitte April sogar zwei Tage
blieb, aber zu einer Brut gehören eben zwei. Und wenn eine Partnerin
ausbleibt, schaut man sich halt mal woanders um.
Es sind jedoch immer noch nicht alle Störche angekommen, und so kann
es durchaus sein, dass es in Ingoldingen vielleicht doch noch klappt.
Juni: Tatsächlich hat sich doch noch ein Storchenpaar für den
Ingoldinger Horst entschieden. Ende April ließ sich ein unberingtes
Männchen auf dem Horst nieder und erhielt pünktlich zum 1. Mai
Besuch von einer (ebenfalls unberingten) Storchendame. Man fand Gefallen
aneinander und so wurde ab ca. 10. Mai gebrütet. Am 13. Juni wurden
zwei frisch geschlüpfte bzw. wenige Tage alte Junge im Nest entdeckt,
da die Altstörche jedoch noch Eier umwendeten, werden es wohl noch
mehr werden.
August: Nein, es ist bei den zwei Jungen geblieben, in Anbetracht der
Tradition der letzten Jahre (es schlüpfte in Ingoldingen jeweils
immer nur ein einziges Küken) immerhin eine Steigerung auf die doppelte
Jungenzahl. Beide wurden am 15. Juli als letzte aller Störche Oberschwabens
beringt. Sie sind putzmunter, allerdings sollten sie sich nun mit dem
Erwachsenwerden etwas beeilen, denn die Zugzeit naht.
2004: Für den Horst
auf der Scheune der Schiggenmühle können sich dieses Jahr bisher
die Störche nicht so richtig entscheiden. Zwar besuchte am 17. März
ein Storch (möglicherweise das Weibchen vom letzten Jahr) das Nest,
verschwand aber bald darauf wieder, um am 23. März mit einem Partner
zurückzukommen. Die beiden waren jedoch recht unstet und verließen
schließlich wieder die Schiggenmühle. Am 29. März erschien
wiederum ein Einzelstorch und konnte diesmal als die Störchin vom
letzten Jahr identifiziert werden. Sie blieb ungefähr 10 Tage lang,
entschloss sich jedoch auf einmal, nach Ummendorf
umzuziehen – vielleicht weil ihr Angebeteter den Ummendorfer Horst
vorzog? In Ummendorf brütet sie jetzt auf jeden Fall mit einem unberingten
Storchenmann, möglicherweise ebenfalls das letztjährige Ingoldinger
Männchen.
Das letzte Wort ist in Ingoldingen allerdings noch nicht gesprochen. Wer
weiß, vielleicht beziehen ja die Ummendorfer Störche, wenn
sie ihren Horst besetzt vorfinden, das Ingoldinger Nest?
Traurige Nachrichten gibt es übrigens über den letztjährigen
Ingoldinger Jungstorch: er verunglückte Mitte August bei seinem ersten
Wegzug an einer Freileitung.
Mittlerweile ist es Mitte Mai, und es gibt es nichts Neues aus Ingoldingen.
Es lässt sich zwar immer mal wieder ein Einzelstorch blicken, doch
der Horst scheint dieses Jahr unbesetzt zu bleiben.
Juli: Nichts Neues aus Ingoldingen. Der Horst blieb dieses Jahr verwaist.
2003: Auf einer Scheune
der Schiggenmühle bei Ingoldingen brütet dieses Jahr auch wieder
ein Storchenpaar. Wie das Paar vor zwei Jahren sind auch diese Störche
vermutlich Ostzieher, denn sie kamen erst recht spät – gegen
Mitte April – am Horst an. Das Weibchen ist drei Jahre alt und stammt
aus Freiburg-St. Georgen, das Männchen ist unberingt.
Schon in den Jahren 2000 und 2001 brütete hier ein unberingtes und
vermutlich über die Ostroute ziehendes Wildstorchpaar, 2002 kam dann
nur einer der Störche aus Afrika zurück und pendelte auf der
Suche nach einem Partner zwischen Ummendorf
und Ingoldingen hin und her. Das diesjährige unberingte Männchen
scheint jedoch ein anderes zu sein, da es sich deutlich anders verhält
als das der vorigen Jahre.
Die diesjährigen Störche begannen um den 20. April mit der Brut.
32 Tage später schlüpfte ein einzelnes Junges, das am 30. Juni
beringt wurde.
2003
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