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Die Störche Oberschwabens |
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Bad Saulgau
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| 2011: Auf dem Monitor im Schaufenster des Elektrogeschäftes Buck auf dem Marktplatz kann man es mit etwas Geduld genau sehen: das Paar hat wieder ein Gelege von fünf Eiern. Das Storchenpaar, das gemeinsam den Winter in Bad Saulgau verbringt, ist unser altbekanntes. Mit der Brut begannen die beiden wie immer sehr früh, nämlich diesmal schon ungefähr am 20. März. Juni: Fünf Eier waren im Nest zu sehen, und aus allen schlüpfte ein kleiner Storch. Der letzte schälte sich am 27. April aus seinem Ei. Wer zwischen dem 27. April und dem 3. Mai geduldig vor dem Schaufenster stand und wartete bis sich der Altstorch von seinem Nachwuchs erhob, konnte also fünf kleine Flaumknäuel sich im Nest tummeln sehen. Dann aber starb das jüngste, und auch das zweitjüngste war Anfang Mai gegenüber seinen Geschwistern in der Entwicklung schon stark zurückgeblieben. Es hielt ebenfalls nicht lange durch und so wurden ein paar Tage später nur noch drei Junge im Nest beobachtet. Diese konnten aber alle am 26. Mai beringt werden und hatten ein für ihr fünfwöchiges Alter optimales Gewicht. Anfang August: Schon das zweite Jahr in Folge lief dieses Mal in Bad Saulgau beim ersten Ausflug der Jungstörche alles glatt (es war nämlich geradezu eine Spezialität der Saulgauer, noch nicht ganz flugfähig den Horst zu verlassen und tagelang die Feuerwehr zu beschäftigen). Ende Juni hoben sie ab vom Horst auf dem Kreuz der St. Johanneskirche und kreisten über den Saulgauer Dächern. Bis zum bevorstehenden Zug in den Süden blieb ihnen also viel Zeit, Selbständigkeit zu erlernen und sich von den Eltern unabhängig zu machen. Die Eltern werden, wie schon in den letzten Jahren, den Winter wieder in Bad Saulgau verbringen, ihr Nachwuchs wird sich aber demnächst auf die Reise begeben. Ob wir den einen oder anderen von ihnen in ein paar Jahren als Brutvogel in Oberschwaben wiedersehen werden? 2010: Das Elektrogeschäft Buck auf dem Marktplatz hat eine neue
Kamera spendiert, und so kann man wieder auf Monitoren im Schaufenster
des Geschäftes und im Stadtmuseum das Storchenleben auf der St.
Johanneskirche ganz genau verfolgen. Deshalb wissen wir auch, dass fünf
Eier im Nest liegen (die Saulgauer legen selten weniger). Man muss allerdings
schon genau hinschauen, denn oft wird ein Ei von der Nestpolsterung verdeckt,
beim Eierwenden kommt es dann aber zum Vorschein. Juni: Tatsächlich fünf Junge schlüpften im Saulgauer
Nest. Anscheinend hatte es die Störchin beim Eierlegen ziemlich
eilig gehabt: Üblicherweise schlüpfen die Jungen im Abstand
von zwei Tagen, da nur jeden zweiten Tag ein Ei gelegt wird; nur die
ersten beiden Küken schlüpfen in der Regel gleichzeitig, weil
gewöhnlich erst gebrütet wird, wenn zwei Eier im Nest liegen.
Nicht so in diesem Jahr in Bad Saulgau. Am 25. April schlüpften
die ersten Jungen, am 26. April waren es schon drei, am 27. wurden vier
Junge über den Monitor im Schaufenster des Elektrogeschäftes
Buck im Nest entdeckt, und am 28. April war das Quintett komplett! Juli: In Bad Saulgau ist die Feuerwehr in den letzten Jahren nicht nur mit Bränden und vollgelaufenen Kellern beschäftigt gewesen, sondern auch zunehmend mit den Störchen (mit Ausnahme des letzten Jahrs als die Jungen vorzeitig starben). Denn es war geradezu eine Spezialität der Saulgauer Störche, noch nicht ganz flugfähig den Horst zu verlassen. Zwar kamen sie, von kleineren Blessuren abgesehen, einigermaßen wohlbehalten unten an, aber den Flug zurück schafften sie nicht. Einige Male waren Schäden am Gefieder für die Flugunfähigkeit verantwortlich. Diesmal lief allerdings erstaunlicherweise alles glatt. Sie fliegen, und sie fliegen gut. Im Gegensatz zu ihren Eltern, die den Winter wieder in Bad Saulgau verbringen, werden sie also in den Süden ziehen, und das wahrscheinlich schon sehr bald. Noch vor Mitte August werden Jungstorch-Trupps vorbeikommen, die beiden Saulgauer Jungstörche mit sich nehmen, und das große Abenteuer beginnt. 2009: Wieder recht
früh, in der letzten Märzdekade, begannen
unsere beiden in Bad Saulgau überwinternden Störche mit dem
Brutgeschäft. Wegen zeitweisen Ausfalls des Monitors im Stadtmuseum,
der die Bilder der auf dem Kirchturm der St. Johanneskirche installierten
Kamera überträgt, kann derzeit noch keine abschließende
Aussage über die Gelegegröße gemacht werden. 2008: Vergangenen Winter hat erstmals auch das
Saulgauer Männchen – verleitet
durch Anfütterung - in Bad Saulgau überwintert. So ist also
das altbekannte Paar wieder auf dem malerischen Horst auf dem Kreuz der
St. Johanneskirche. Ein früher Brutbeginn ist hier schon Tradition:
um den 20. März wurde das erste Ei gelegt, insgesamt wurden es fünf.
Die ersten Küken schlüpfen bereits. Juli:
Prompt! Nur war es diesmal nicht ein Einsatz
der Feuerwehr, sondern die Floriansjünger mussten gleich mehrmals
anrücken. Gleich zwei
Störche flogen diesmal zu früh los, wollten unbedingt ihren
schon flüggen Geschwistern folgen. Einer der beiden zog sich bei
seiner Bruchlandung eine Schnittwunde am Flügel zu, die vom Tierarzt
genäht wurde. Man versuchte, ihn auf den Horst zurück zu setzen.
Er hob jedoch sofort wieder ab zum nächsten Flug und zur nächsten
Bruchlandung. Daraufhin blieben beide Störche erstmal bei einer
ortsansässigen storchenerfahrenen Familie im Stall zur Pflege, einige
Tage später wurde ein neuer Versuch mit der Feuerwehr gestartet,
und diesmal blieben die Jungstörche im Nest. Vorerst. Ca. eine Woche
später versuchte sich wieder einer der noch nicht ganz flugfähigen
Jungstörche im Fliegen, und wieder ging es schief. Es handelte sich
um den Storch mit der Ringnummer A 6418, bei dem schon einige Tage zuvor
mit dem Fernrohr eine Gefiederdeformation festgestellt wurde. Der Storch
konnte unverletzt geborgen werden und wurde wiederum zur Pflege gegeben.
In den Stall, in dem er nächtigte, drang jedoch ein Marder ein,
der Storch wehrte sich zwar erfolgreich, verletzte sich jedoch dabei
den Schnabel. Nach Konsultierung eines Tierarztes wurden die Anbruchstellen
des Oberschnabels fixiert, Futter aufnehmen konnte der Storch immerhin
noch problemlos. Am nächsten Morgen brachte man ihn nach Salem zum
Affenberg, wo eine große Volière zur Verfügung steht,
die glücklicherweise gerade frei geworden war (den Markdorfer Storch,
siehe Markdorf-Eisweiher, hatte man einen Tag zuvor freigelassen). Trotz
seines Gefiederdefektes – einige Handschwingen sind stark verkürzt – kann
der Storch mittlerweile gut fliegen und wurde inzwischen in die Freiheit
entlassen. 2007: Der Ertinger und die Schweizerin sind wieder die ersten, die mit der Brut begonnen haben. Wie letztes Jahr haben sie 5 Eier gelegt – das erste diesmal schon Mitte März –, und schon am 19. April sind die ersten Jungen geschlüpft. Juni: Drei Küken waren anfangs im Saulgauer Horst zu versorgen. Das Nesthäkchen überlebte jedoch nur ein paar Tage, während die beiden älteren im Alter von fünf Wochen beringt werden konnten. Der Saulgauer Horst auf dem Kreuz der St. Johanneskirche befindet sich in beträchtlicher Höhe, und so musste die Feuerwehr wie schon des öfteren wieder zwei Versuche starten, bevor das Nest erreicht wurde. Einer der beiden Jungstörche gebärdete sich erstmal recht aufmüpfig; es fiel ihm absolut nicht ein, sich tot zu stellen, sondern er hackte eifrig nach den Händen, die ihn greifen wollten. Schließlich beruhigte er sich jedoch, nahm sich ein Beispiel an seinem Nestgeschwister, das sich – wie es sich gehört – tot stellte und konnte gekennzeichnet und gewogen werden. Die beiden brachten jeweils knappe zweieinhalb Kilogramm auf die Waage, waren für ihr Alter also deutlich untergewichtig (Jungstörche im Alter von 35 Tagen sollten um die 3 kg wiegen). Dank ihrer frühen Geburt gehörten sie jedoch zu den wenigen Jungstörchen Oberschwabens, die das Pfingstwetter schadlos überstanden, denn ihr Gefieder war zu dieser Zeit schon gut entwickelt. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis der erste zu seinem Jungfernflug aufbricht, eifrig geübt wird schon. Tatsächlich brauchten die beiden Saulgauer nun doch insgesamt nahezu 11 Wochen, bis sie erstmals vom Nest abflogen: am 1. Juli erhob sich der erste in die Lüfte über den Saulgauer Dächern. Man kann sich vorstellen, dass der Absprung von diesem hohen Horst die Jungstörche einige Überwindung kostet, außerdem hatten sie nicht die besten Startchancen, denn bei Beobachtungen im Juni stellte sich heraus, dass ihr Fluggefieder Deformationen aufwies: Die Handschwingen jeweils einer der Flügel waren teilweise beschädigt, Teile der Fahnen mangelhaft entwickelt bzw. abgebrochen. Ähnliches wurde vor zwei Jahren auch bei den Fleischwangener Jungstörchen beobachtet (siehe Fleischwangen 2005), die Fleischwangener waren dadurch nur eingeschränkt flugtauglich, einer der Jungstörche musste eingefangen und bis zur Mauser in einer Voliere gehalten werden. Wir sind deshalb sehr froh, dass die Saulgauer den Abflug vom Nest problemlos geschafft haben und auch ansonsten anscheinend nicht in ihrer Flugtauglichkeit beeinträchtigt sind, die Rückkehr zum Horst schaffen sie ohne Probleme. Gefiederdeformationen dieser Art sind angeblich auf Mangelernährung zur Zeit der Fluggefiederentwicklung zurückzuführen; diese fällt bei den Saulgauer Jungstörchen in etwa in die Pfingszeit, als üble Witterungsbedingungen das Füttern extrem erschwerten. Auch an den Saulgauer Jungstörchen sind die Pfingsttage somit nicht spurlos vorübergegangen. 2006: Auch in Saulgau hat sich wieder das Paar
vom letzten Jahr zusammengefunden. Die Störchin, eine Schweizerin, überwinterte
bei uns, der Storchenmann aus Ertingen gesellte sich schon Ende Februar
zu ihr. Juni: Ende April bis Anfang Mai schlüpften in Saulgau insgesamt vier Junge. Immerhin drei haben trotz langanhaltender Nässe und Kälte überlebt. Schon sehr früh, nämlich am 2. Juni erhielten sie ihren Personalausweis, den schwarzen ELSA-Ring mit weißer Nummer ans rechte Bein. Irgendwie scheint dieses Jahr der Wurm drin zu sein. In mehreren Nestern flogen die ersten Störche zu früh los oder sie wurden bei Flugübungen vom Nest geweht. In allen Fällen verliefen die Bruchlandungen allerdings glimpflich und kein Storch wurde dabei ernsthaft verletzt. So auch in Saulgau. Am 7. Juli wurde der erste Jungstorch in Saulgau flügge, es folgte bald der zweite, doch das Nesthäkchen hatte bei den ersten Flugversuchen ernsthafte Schwierigkeiten. Zweimal – am Sonntag, den 9. Juli und am Montag – wurde er mit der Feuerwehr wieder aufs Nest gebracht. Das nächste Mal klappte es dann aber Gottseidank. Der Reise in den Süden steht also nichts mehr im Wege. 2005: Die Saulgauer
Störchin überwinterte dieses Jahr zeitweise in Saulgau. Ihr
ziehender Gatte erschien Anfang März, es ist wieder der Oberschwabe
aus Ertingen. Seit 27. März brütete
das Paar, sie saßen auf fünf Eiern. 2004: Am 3. Februar
erhielt Saulgau dieses Jahr erstmals kurzzeitigen Storchenbesuch. Am 5.
März tauchte dann einer der Saulgauer Störche auf (vermutlich
das seit 2002 hier brütende links unten beringte Männchen).
5 Tage später erschien dann auch das Weibchen - vermutlich die letztjährige,
in der Schweiz geborene Saulgauer Störchin, die am Salemer Affenberg
überwinterte. 2003: In Saulgau gab
es einen Partnerwechsel: Das letztjährige Männchen vermählte
sich in diesem Jahr mit einer Schweizer Störchin, die 2002 in Grasbeuren
brütete und dort 2 Junge hochzog. |