Die Störche Oberschwabens



Königseggwald

Königseggwald

Fotograf: Georg Steinhauser, Aulendorf


2011: Königseggwald, was die Weißstörche anbelangt, bisher eher ein ruhiger Ort, war im Frühjahr 2011 Schauplatz heftiger Kämpfe und eines unglaublichen Durcheinanders. Der nun siebenjährige gebürtige Zwiefaltendorfer, der in Süddeutschland überwintert, war schon Ende Januar für kurze Zeit an seinem Horst. Dann erschien er wieder am 10. Februar, blieb aber auch diesmal nur eine Woche und verkrümelte sich nach Denkingen, wo er an einem Kampf beteiligt war und nachfolgend zusammen mit dem Denkinger Weibchen den ihm eigentlich nicht zustehenden Horst besetzte.
Am 22. Februar kam dann das unberingte Königseggwalder Weibchen an (sehr wahrscheinlich war es die Horstinhaberin, da unberingt, kann es hierüber aber keine endgültige Sicherheit geben), verzog sich nochmals bei dem zeitlich unmittelbar folgenden Wintereinbruch und kam am 1. März wieder. Schon am Tag danach erschienen die ersten beiden Fremdstörche am Königswalder Nest, das Weibchen regte sich gehörig auf, es kam zu Kämpfen. Am 4. März stand schließlich der Esenhausener Brutstorch, der sicherlich an diesen Kämpfen beteiligt war, zusammen mit der Unberingten auf dem Nest.
Am darauffolgenden Wochenende kam der Denkinger Brutstorch zu seinem angestammten Horst zurück und forderte seine Rechte ein. Der Königseggwalder wurde vertrieben und wollte wohl zu seinem eigenen, nun aber schon besetzten Horst zurückkehren, denn nach weiteren Streitereien wurde auf einmal wieder ein mit einem schwarzen ELSA-Ring rechts beringter Storch zusammen mit dem Weibchen auf dem Königseggwalder Horst gesehen (am 7. März war aber offensichtlich noch oder wieder der Esenhausener auf dem Nest, von Herrn Holeczek fotografiert).
Es kehrte aber mitnichten Ruhe ein. Genau eine Woche nach Eroberung durch den Esenhausener, am 11. März, wurde ein weiterer heftiger Kampf beobachtet, danach hieß der Horstinhaber "Bodi", unser Schweizer Senderstorch (vgl. Illmensee, Ostrach-Wangen, Waldbeuren). Und "Bodi" machte schließlich auch endgültig das Rennen, auch wenn er es zu Anfang nicht einfach hatte. Am 14. März konnte ich nämlich einen links mit ELSA-Ring gekennzeichneten Storch beobachten, den ich leider nicht vollständig identifizieren konnte, es war jedoch eindeutig nicht der ebenfalls links beringte Esenhausener. War es der Hasenweilerer, der letztes Jahr für seine Eskapaden in Blochingen berühmt wurde? Jedenfalls rauschten in dem Moment "Bodi" und die Unberingte heran und fegten den Eindringling buchstäblich vom Nest.
Jetzt ist aber erst mal Schluss mit lustig, denn es wird ernsthaft im Königseggwalder Nest gebrütet.

Juni: Am Maifeiertag und den folgenden Tagen schlüpften die kleinen Störche im Königseggwalder Nest. Anfangs wurden vier Köpfchen gezählt, doch wurden sie nach und nach weniger, bis schließlich nur noch ein Jungstorch übrig geblieben war. Er konnte am 7. Juni im Alter von gut fünf Wochen beringt werden und brachte dabei zweidreiviertel Kilogramm auf die Waage. Wir machen uns Gedanken, warum drei der vier Jungen gestorben sind. Denn gute Nahrungsgebiete gibt es im Pfrunger-Burgweiler Ried nicht allzuweit weg vom Horst, und Bodi ist eigentlich ein guter Brutstorch, der allerdings in letzter Zeit ziemlich unstet geworden ist. Dem nun allein im Horst stehenden Jungstorch können nun aber auch Wind und Wetter (mit Ausnahme eines heftigen Hagelschlags) nichts mehr anhaben. In wenigen Wochen wird er mit den Flugübungen beginnen.

Anfang August: Ungefähr einen Monat nach seiner Beringung wagte der Königseggwalder Einzelstorch den Sprung vom Nest. Und dann hielt ihn auch bald nichts mehr dort, vielleicht war ihm seine Nestlingszeit doch zu einsam gewesen. Er flog schnurstracks nach Ebenweiler und suchte sich die Gesellschaft der Ebenweiler Jungstörche, die von seinem Besuch an ihrem Nest nicht gerade erbaut waren. Er ließ sich aber nicht abwimmeln, kam sogar in den Genuss des Futters, das die Ebenweiler Eltern brachten, und hält sich seitdem fast andauernd auf den Ebenweiler Wiesen am See oder in Nähe des dortigen Horstes auf. Es ist gut möglich, dass die Belästigung durch den Königseggwalder dazu beigetragen hat, dass sich der Ebenweiler Nachwuchs anstrengte, so schnell wie möglich selbst vom Nest loszukommen. Denn schon ein paar Tage nach dem ersten Besuch wurden die Ebenweiler flügge.

2010: Sie sind ihrem Horst treu geblieben, die Königseggwalder. Sie hatten hier letztes Jahr ja auch drei Junge großziehen können. Schon im Februar kehrten sie diesmal nach Königseggwald zurück, er am 10. Februar (er verbrachte den Winter am Bodensee), sie am 27. Februar. Ende März war es dann auch schon soweit, man begann mit der Brut. Wieviele Junge diesmal aus den Eiern schlüpfen werden (im vorigen Jahr waren es fünf)?

Juni: Dieses Jahr ließ man es etwas ruhiger angehen und begann gleich nur mit Aufzucht von drei Jungen. Bei den unwirtlichen Witterungsverhältnissen war das ja auch mehr als genug. Zwar überlebten alle drei die kalten Maitage, meist unter dem Gefieder eines der Altstörche versteckt, das Kleinste war allerdings gegen Ende Mai doch stark in der Entwicklung zurückgeblieben. Am 25. Mai wurden noch alle im Horst gesehen, am 31. Mai bei der Beringung wurde das Nesthäkchen tot auf dem Dach unterhalb des Nestes entdeckt. Die beiden noch lebenden Königseggwalder Jungstörche brauchen wohl noch mindestens zwei Wochen bis sie über den Berg sind. Vor allem der Kleinere war mit 2 kg etwas schmächtig.

Juli: Anfang Juni war es ja noch einmal richtig kalt, trotzdem überlebten beide. Und als dann die Schafskälte Mitte Juni einsetzte, waren beide schon "über den Berg". Ihr Gefieder war zu dieser Zeit schon so gut ausgebildet, dass ihnen nichts mehr passieren konnte. Mit dem Fliegen hatten sie es allerdings nicht besonders eilig. Sie waren schon an die elf Wochen alt, als es endlich der erste wagte. Am 9. Juli startete er zu seinem Jungfernflug, landete auch wieder problemlos auf dem Horst, und zwei bis drei Tage später hielt auch den zweiten nichts mehr auf dem elterlichen Nest. Jetzt wird sich ordentlich Reiseproviant angefuttert, denn lange wird es nicht mehr dauern bis es sie in den Süden zieht. Vom derzeitigen sonnigen Wetter bei uns werden sie sich nicht täuschen lassen, denn der nächste Winter kommt bestimmt.

Königseggwald

Foto: Paul Holeczek 2010

2009: In den ersten Märztagen kehrten die Königseggwalder Störche auf ihren Horst zurück. Es war wieder das Pärchen vom letzten Jahr: die unberingte Storchendame (wobei man bei einer Unberingten natürlich nicht sicher sein kann, dass es tatsächlich dieselbe ist) und ihr nun fünfjähriger Gatte aus Zwiefaltendorf. Nach vier Wochen, die das Paar mit Nest richten, Futtern, Gefiederpflege, Paarung und Geturtel verbrachte, begann die Störchin Eier zu legen, die sie jetzt abwechselnd mit dem Zwiefaltendorfer bebrütet. Mit den ersten geschlüpften Jungen ist Anfang Mai zu rechnen.
Dem letztjährigen Jungstorch aus Königseggwald war übrigens auf seinem ersten Zug leider kein Glück beschieden. Er wurde im Sommer 2008 in Südfrankreich tot aufgefunden, offensichtlich war er mit einem Kabel kollidiert.

Der erste Maitag begrüßte die ersten Storchenkinder im Königseggwalder Nest. Wieviele es jedoch dann tatsächlich wurden, das hielt die Storchenfamilie vorerst streng geheim. Entweder die Jungen saßen in der tiefsten Kuhle des Nestes, oder der Altstorch verstellte wirkungsvoll den Blick ins Nest mit einem gerade mitgebrachten Grasbüschel, oder aber es setzte im entscheidenden Augenblick – ein guter Zeitpunkt ist immer die Fütterung, da gehen meistens alle Köpfchen hoch – starkes Luftflimmern ein. Jedenfalls wurde meine Geduld mehrmals hart auf die Probe gestellt, und mein Wissensdurst konnte bei den ersten Beobachtungen trotz Ausharrens nicht befriedigt werden. Schließlich wurden sie dann aber doch entdeckt: Fünf Junge (das Kleinste starb allerdings durch das Unwetter am 26. Mai). Ob die vielen Schnäbel alle gefüttert werden können, bleibt abzuwarten. Die Eltern können sich jedenfalls nicht allzuviel Freizeit erlauben, und auch die Witterung sollte mitspielen, denn die Nahrungsgebiete liegen überwiegend im Pfrunger-Burgweiler Ried, während die nächste Horstumgebung mit ihren Rapsäckern nicht viel hergibt.

Juli: Mangelnde Widerstandskraft und das nasskalte Wetter Anfang Juni hat dann ein weiteres Junges das Leben gekostet. Im Alter von fast sechs Wochen wurden die drei Überlebenden beringt und gewogen und generell als zu leichtgewichtig befunden (1 Pfund bis 1 kg Untergewicht). Trotzdem überstanden sie ihre kritische Nestlingszeit bis zur Vollentwicklung des Gefieders gut, und der erste des Trios wagte sich am 9. Juli vom Nest. Seine Flugkünste waren aber wohl nicht soweit gediehen, dass er es auch wieder auf den Horst zurückschaffte. Über Nacht fand er jedoch einen sicheren Platz, so dass er schließlich nach wenigen Tagen und etwas mehr Übung wohlbehalten wieder auf dem Horst landete. Die beiden Kleineren haben den Sprung vom Nest noch nicht gewagt.
Noch eine kleine Begebenheit am Rande (nach der Beobachtung eines Mitarbeiters der Fa. Michel): Am 14. Juli erschienen zwei Fremdstörche in der Nähe des Königseggwalder Horstes. Die Storcheneltern waren gerade unterwegs, und so übernahm der schon flügge Älteste die Rolle der Eltern, verteidigte mutig den Horst und seine Geschwister und schlug die beiden Eindringlinge in die Flucht. Wie sagt man da doch im Schwäbischen? "Aus dem wird noch was!"

2008: Der Königseggwalder Brutstorch, der sich den Winter über in Süddeutschland, zeitweise in Hoßkirch aufhielt, besetzte Anfang März wieder seinen Horst. Kurzzeitig gesellte sich ihm eine beringte Storchendame zu, die jedoch nicht identifiziert werden konnte. Bei einer Nestkontrolle am 22. März war er jedoch wieder mit seiner unberingten (vermutlichen) Angetrauten vom letzten Jahr zusammen und seit Anfang April brüten sie.

Juni: Die Jungen in Königseggwald schlüpften um den 10. Mai. Drei Flaumknäuel tummelten sich im Nest. Eines der Kleinen starb jedoch Ende Mai, und am 2. Juni wurde leider noch ein zweiter toter Jungstorch aus dem Horst geworfen (er wurde zur Untersuchung auf Schimmelpilzinfektion nach Berlin geschickt, wahrscheinlich ist jedoch Mangelernährung die Todesursache). Dem letzten geht es aber gut, bei der Beringung am 13. Juni wog er immerhin mehr als zweieinhalb Kilogramm.

Juli: Die Untersuchung am Institut für Tierpathologie der Freien Universität Berlin brachte folgendes Ergebnis: Eine Infektion durch Schimmelpilze (Aspergillose) wird definitiv ausgeschlossen; eine Virusinfektion kommt allerdings als Todesursache des Jungstorchs in Betracht. Der Drüsenmagen war auffällig aufgebläht, die Verdauung daher stark eingeschränkt. Ähnliche Symptome zeigte übrigens auch ein ebenfalls eingeschickter verendeter Jungstorch aus Beizkofen.
Der noch lebende Jungstorch erfreut sich jedoch bester Gesundheit. Am 12. Juni wurde er bei Flugübungen zwar durch einen Windstoß vom Nest abgetrieben, schaffte es aber aus eigener Kraft wieder zurück auf den Horst, womit seine Flugfähigkeit eindeutig bewiesen war. Bei der letzten Kontrolle am 29. Juli war das Nest leer, und der Jungstorch zusammen mit anderen Jungstörchen (siehe Fleischwangen) wohl bereits weggezogen.

2007: Schon 2006 hatte sich das Frühjahr und den gesamten Sommer über immer wieder ein Storchenpaar in Königseggwald aufgehalten. Dieses Jahr scheint es hier nun tatsächlich mit einer Storchenbrut zu klappen.

Das Männchen ist ein Oberschwabe aus Zwiefaltendorf und nun drei Jahre alt. Es ist das selbe, dass schon im letzten Jahr als "Halbstarker" den Horst besetzte. Seine Angetraute ist unberingt. Seit Mitte April sitzen sie abwechselnd auf ihren Eiern.

Juni: Der Schlupf des (oder der) Jungen in Königseggwald begann um den 18. Mai. Es waren wohl ein oder zwei Küken (Nest selbst vom Hügel aus schlecht einsehbar). Obwohl diese noch recht klein waren und daher noch besser vor dem miesen Pfingstwetter geschützt werden konnten, überlebten sie dieses nicht. Die Eltern sind auch noch etwas unerfahren.



Startseite