Die Störche Oberschwabens



Krauchenwies


2011: Nach den Schwierigkeiten bei der letztjährigen Jungenaufzucht war nicht zu erwarten, dass die Krauchenwieser Störche vom letzten Jahr, die beiden Unberingten, dieses Jahr wieder den Horst von Krauchenwies besetzen würden. Stattdessen kam zur Freude der Krauchenwieser Bürgerschaft am 27. März aber ein anderes Paar. Das Männchen wurde vor drei Jahren in der Storchenkolonie am Affenberg in Salem geboren, das Weibchen stammt aus Riedhausen und ist fünf Jahre alt. Die beiden richteten sich das Nest her und begannen ca. um den 10. April mit der Brut.
Eine Verbesserung der Nahrungsgebiete um Krauchenwies ist dringend erforderlich. Es ist jedoch aufgrund der verstärkten Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für die Biogasproduktion derzeit sehr schwierig, entsprechende Maßnahmen durchzusetzen.

Juni: Die Krauchenwieser Jungstörche schlüpften gegen Mitte Mai aus ihren Eiern. Insgesamt wurden es diesmal vier an der Zahl. Die Eltern fanden jedoch nicht genug Futter, und so starben die beiden kleinsten schon nach wenigen Tagen. Die beiden Ältesten immerhin halten jedoch gut durch, und so wird es am Abend des 15. Juni anlässlich der ersten Storchenberingung in Krauchenwies ein kleines Fest geben.

Anfang August: Candy und Sansibar, so heißen sie jetzt, die beiden Krauchenwieser Jungstörche. Krauchenwieser Kinder hatten sich eine ganze Schachtel voll Namen für ihre kleinen Störche ausgedacht, die Beringerin spielte die Glücksfee.
Aus den kleinen Störchen sind mittlerweile stattliche Adebare geworden, kaum noch von den Eltern zu unterscheiden. Im Alter von 10 Wochen verließen sie erstmals ihr Nest. Noch sind sie auf den Wiesen und auf den Krauchenwieser Dächern zu sehen, doch der Spätsommer ist gekommen, der Herbst naht, und schon bei der nächsten stabilen Hochdruck-Wetterlage könnten sie sich zusammen mit den anderen Jungstörchen auf den Weg in den Süden machen.
Die Krauchenwieser Bürger, die sich jetzt schon auf die Rückkehr ihrer Störche freuen und auch eine erfolgreiche Jungenaufzucht im nächsten Jahr gesichert haben möchten, werden in der Zwischenzeit nicht untätig sein. Beim Fest gesammelte Gelder sollen dazu verwendet werden, die Nahrungsgrundlage für die Störche um Krauchenwies zu verbessern. Erste Ideen gibt es bereits, mit der Umsetzung soll demnächst begonnen werden.

Krauchenwies

Foto: Jochen Spiess 2010

2010: Der von der Gemeindeverwaltung Krauchenwies neu installierte Horst auf einer Scheune im Ortskern wurde sofort von Störchen angenommen. Über die Herkunft der beiden kann nicht viel berichtet werden, da es sich um zwei unberingte Störche handelt. Sehr wahrscheinlich ist er der letztjährige Messkircher Brutstorch, dessen Horst schon vor seiner Ankunft kurzerhand von anderen Störchen besetzt wurde und dessen Rückeroberung ihm nicht gelang. Denn am selben Tag, am 26. März, als die Störche in Krauchenwies ankamen, fand ein Kampf in Messkirch statt, bei dem sich der neue dortige Horstbesetzer behauptete.
Seit Anfang April wird in Krauchenwies gebrütet. Auf die kleinen Störche sind schon alle gespannt.
Übrigens gab es Anfang des 20. Jahrhunderts wohl Störche in Krauchenwies, und auch 1947 war einmal ein Horst auf dem Dach des Gasthauses "Goldener Adler" von einem Storchenpaar besetzt. Ob sich noch jemand in Krauchenwies daran erinnert? Seitdem ließen sich in Krauchenwies jedoch keine Adebare mehr blicken. Das Klappern der Störche ist also ein ganz ungewohntes neues Geräusch für die Krauchenwieser, und wenn es stimmt, was man vom Klapperstorch behauptet...

Juni: Erstmal langsam, dachten sich vielleicht die Krauchenwieser Störche, man weiß noch nicht genau, ob sich genügend Nahrung hier finden lässt. Und brachten ein einziges Küken zur Welt. Es wächst nur sehr langsam heran, schlägt sich aber bisher wacker durch. Mit horstnahen Nahrungsgebieten scheint es nicht zum Besten zu stehen. Hoffentlich kann der kleine Storch in der kommenden wärmeren Zeit, wenn die Eltern mit Aufwinden auch weiter entfernte Nahrungsgebiete nutzen können, etwas in der Entwicklung aufholen.

Juli: Eigentlich war die Beringung für den 24. Juni geplant, und es sollte anlässlich der Aufzucht des ersten kleinen Storchs in Krauchenwies ein kleines Fest geben. Doch dann kam kurz zuvor die Schafskälte und machte sämtliche Hoffnungen zunichte. Sie erwischte den Nestling in seiner kritischsten Zeit, denn im Alter von fünf Wochen bietet das Gefieder noch keinen ausreichenden Schutz, die Eltern aber setzen sich nicht mehr auf den Nachwuchs, weil er schon zu groß ist. Wenn in diesem Entwicklungsstadium lang anhaltender Regen fällt, und die Temperatur gleichzeitig bis 5°C oder darunter absinkt, wird es für die Jungstörche gefährlich. Ob die beiden Unberingten im nächsten Jahr wiederkommen und es nochmal in Krauchenwies versuchen werden?


Startseite