Die Störche Oberschwabens



Ertingen


2011: Mit seinen nunmehr 32 Jahren ist das im letzten Jahr von Riedlingen nach Ertingen umgesiedelte Männchen der schwarz-weiße Methusalem in der oberschwäbischen Weißstorchpopulation. Seit Ende März brütet der Storch mit derselben Partnerin vom Vorjahr frischen Storchennachwuchs aus.

Juni: Gegen Ende April wurde aus alt neu: Vier Storchenküken, deren Vater ihr Ururururur...opa sein könnte, lugten aus dem von der Ertinger Gemeinde im Frühjahr frisch hergerichteten Dornröschennest. Jedem einzelnen aus dem Quartett wurde Ende Mai jeweils ein nummerierter Ring für immer und ewig am linken Bein angebracht.

Anfang Juli startete das Jungstorchquartett per eigenem Flügelschlag in ein hoffentlich ähnlich langes Leben wie das ihres Vaters.

2010: Am 1. März wurden auf dem Ertinger Nest zwei Störche beobachtet, die bereits kräftig am Nachwuchs „produzieren“ waren. Einer der beiden Störche trug einen Ring aus Aluminium. Derartige Ringe werden schon seit Jahren nicht mehr verwendet. Außerdem trug keiner der letztjährigen Ertinger Brutstörche solch einen Metallring. Diese Fakten ließen bereits auf eine spannende Wendung schließen. Nach dem Blick durch das Fernrohr zur Ablesung der in den Alu-Ring eingestanzten Nummer war die Überraschung perfekt: Die Ringnummer wies den Storch als das Storchenmännchen aus, das seit 1983 Jahr für Jahr das Riedlinger Rathausdach besetzt und dort der vielleicht ältesten Storchendame der Welt 22 Jahre lang die Treue hielt. Seine neue Partnerin ist die siebenjährige Störchin, die schon in den vergangenen vier Jahren in Ertingen brütete.
Ob die neue Liaison fruchtbar ist muß sich erst noch zeigen. Die beiden begannen Ende März mit der Brut.

Juni: Und er zeigt der Welt nochmal was er kann, der aus seinem Dornröschenschlaf erwachte Neuertinger Storchenopa: Drei Küken zieren seit Anfang Mai das Dach des Bettenfachgeschäfts "Dornröschen".

August: Von diesen drei Nachkommen wurden Anfang Juni zwei beringt, ein Nestling überlebte den Mai nicht. Um den 20. Mai drehten die Beiden das erste Mal erste Runden am Ertinger Storchenhimmel. Und Opa? Hat er weitere Fisimatenten vor?

2009: Seit das Storchenweibchen 2006 das Regiment im Ertinger Nest übernommen hat, wird dort nicht lange herumgefackelt, und bereits um den 20. März herum wurde mit der Brut begonnen. Die Störchin ist somit eine der frühesten Brüterinnen im Oberschwäbischen. Ob sie es jedes Jahr mit demselben Männchen tut, bleibt letzten Endes ungeklärt, weil der keinen Ring trägt.
Anfang Mai entschlüpften im Ertinger Nest vier Storchenküken ihren Eischalen.

Juli: Am 3. Juni konnten drei Nestlinge beringt werden, ein Küken ging schon bald nach dem Schlupf verloren. Die drei wurden von den Altstörchen bis zu ihrem Ausflug am 10.7. erfolgreich durchgefüttert.

2008: In Ertingen sitzt nun schon fast vier Wochen dasselbe Weibchen auf dem Gelege wie die vergangenen zwei Jahre zuvor. Das Männchen ist unberingt. Seine Geschichte bleibt im Dunkeln.
Aus den fünf um den 20.3. abgelegten Eiern schlüpften am 22.4. vier neue Ertinger, wovon eines aus unerfindlichen Gründen am 10.5. in den Schneefang unter dem Nest gefallen war. Der Jungstorch konnte von der Ertinger Feuerwehr geborgen werden und wurde nach eingehender Untersuchung des örtlichen Tierarztes wieder ins Nest zurückgesetzt. Bei der anschließenden Nestkontrolle wurde wieder ein Jungstorch im Schneefang entdeckt. Dieses Mal kam jede Hilfe zu spät. Ob es sich um den selben Jungstorch handelte, der vorher gerettet werden konnte, war nicht festzustellen.

Juni: Inzwischen wurden die 3 verbliebenen Nestlinge beringt. Bei der Wägung wurde festgestellt, dass sie alle "gut im Futter" waren.

Juli: Bei einer weiteren Nestkontrolle 3 Wochen nach der Beringung konnten nur noch 2 Jungstörche im Ertinger Nest beobachtet werden. Aus unerfindlichen Gründen war der zum Zeitpunkt der Beringung leichteste Nestling nicht mehr am Leben. Immerhin brachte er damals schon 2,8 kg auf die Waage und zählte somit zu den Schwergewichtlern unter den diesjährigen oberschwäbischen Jungstörchen.
Die verbliebenen beiden Jungstörche entflohen Ende Juni zumindest teilweise dem Regime der Erdanziehungskraft und hoben da zum ersten Mal ab Richtung Ertinger Himmel.

2007: In Ertingen brütet jetzt im zweiten Jahr das aus der Ortenau stammende Weibchen wieder mit einem unberingten Partner. Das Paar scheint ganz gut drauf zu sein – im Nest sieht man bereits 4 Storchenkükenköpfe hin und herwackeln.

Juni: Anfang Mai hing ein totes Küken im Schneefang des Dornröschendaches. Die verbliebenen 3 Jungstörche wurden am 23. Mai beringt und sind Mitte Juni alle wohlauf.

Anfang Juli wurde es den Jungstörchen in Ihrem Nest zu klein und sie flogen in die Welt hinein. Zuvor wollte es einer von ihnen allerdings zu genau wissen und verließ vielleicht ein bisschen zu früh das Nest, landete in den Ertinger Gassen und musste dort von der "Storchenfeuerwehr" in Person von Albert Engenhart und Herrn Egon Müller aus Herbertingen eingefangen werden. Nach ein paar Tagen Pflege in Herrn Müllers Voliere war der tollkühne Flieger wieder fit und wurde bei seinen Kameraden, die sich zwischen Ertingen und Binzwangen aufhielten, freigelassen.

2006: Für frischen Wind im Ertinger Dornröschen-Nest sorgt jetzt vielleicht ein anderes Weibchen, das dort seit Anfang März zusammen mit einem unberingten Männchen beobachtet werden kann.

Juni: Wild entschlossen schritt die Belegschaft auf dem Nest dann auch Anfang April zur Brut und es ist nicht immer so, dass wer den ganzen vierten Monat des Jahres über brütet auch vier Junge ans Licht der Welt bringt – in Ertingen war es aber dieses Jahr so. Das Quartett konnte am 6. Juni beringt werden. Alle Jungstörche standen gut im Futter, zwei hatten sogar schon fast ihr endgültiges Kampfgewicht erreicht und wogen mehr als 3 Kilogramm.

Um den 6. Juli verließen die vier Jungstörche das erste Mal ihre Bettstatt auf dem Dornröschen-Bettengeschäft.

2005: Seit 1997 ist das Ertinger Nest Domizil von dem hier heimischen beringten Weibchen und vielleicht auch dem diesjährigen unberingten Storchenmännchen. 2005 schritt das Paar in dieser Konstellation um den 4. April zur Brut.

Das Ertinger Paar konnte Anfang Mai beim Füttern des Nachwuchses beobachtet werden. Drei Tage später saßen die Störche immer noch relativ fest im Nest und waren anscheinend noch mit der Brut des restlichen Geleges und dem Hudern der frisch geschlüpften Küken beschäftigt. Bei der nächsten Kontrolle standen die Altstörche untätig auf dem Nest herum. Vom nahen Pfarrhausdachboden, zu dem mir dankenswerterweise der Hausherr Zugang verschaffte, war dann aus unerklärlichen Gründen nur noch ein kükenloses Nest zu beobachten.

2004: Nichts Neues in Ertingen. Wie die Jahre zuvor ist das Nest von dem heimischen Ringstorch und von einem ringlosen Storch besetzt. Das Paar begann Anfang April mit dem Brutgeschäft.
Die Brutzeit in Ertingen verlief dieses Jahr kampflos. Die Küken schlüpften um den 5. Mai und es dauerte nicht mehr lange bis die 3 "Neuen" über den Nestrand auf die neugestaltete Ortsdurchfahrt blicken konnten. Ein viertes, ca. 7 Tage altes und schon längere Zeit totes Küken wurde im Schneefanggitter unterhalb des Nestes entdeckt.
Der Dreiernachwuchs verließ am 17.7. zum ersten Mal geschlossen das Nest.

2003: Ein Storch beringt, derselbe wie letztes Jahr. Der andere Storch wie letztes Jahr unberingt.
In Ertingen kamen die beiden Anfang Mai geschlüpften Nestlinge bei einem heftigen Storchenkampf Mitte Mai ums Leben. Ein Elternstorch trug bei dieser Schlacht eine blutende Wunde am Hals davon.

2002: Beim Ertinger Weibchen handelte es sich um eine echte Oberschwäbin, die 1991 in Untersulmetingen geboren wurde und 2001 in Unlingen brütete. Das Männchen war unberingt.
Das Ertinger Nest schien sich besonderer Beliebtheit bei den Störchen zu erfreuen: um den 15. Februar 2002 war es kurzzeitig vom Riedlinger Männchen besetzt und bei verschiedenen Kontrollen zum Brutverlauf wurden öfters ums Nest kreisende Fremdstörche beobachtet. Möglicherweise gingen 2 der 3 am 28. April geschlüpften Jungen bei einem Storchenkampf verloren. Das Einzelkind stand am 13. Juli zusammen mit den beiden Altstörchen bei der Riedmühle auf den dortigen Wiesen im Regen.

 

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