| 2011: Den Illmenseer A3725 sind sie los, die Altshausener Störche, denn er ist 2010 aufs Riedlinger Rathaus (wo im Frühjahr eine uralte Liebe zerbrach) umgezogen und hat jetzt wohl endlich seinen Platz gefunden.
Trotzdem gab es wieder Zoff auf dem Mast in der Senderstraße. Ein dreijähriger Storchenmann hatte sich Anfang März den Horst in der Nähe seines Geburtsorts – er stammt aus Fleischwangen – ausgesucht und sich mit dem dortigen Weibchen angefreundet. Wieder fand also das Altshauser Brutmännchen bei seiner Ankunft am 20. März seinen Horst bereits besetzt vor, wieder musste er um seine angestammten Rechte kämpfen. Bei der heftigen Streiterei mussten die Männchen Federn lassen (man fand die Federn nach dem Kampf am Fuß des Mastes), der junge Fleischwangener konnte sich gegen den kampferprobten Altshauser Brutstorch nicht durchsetzen und musste das Feld räumen, der Horstinhaber war siegreich wie in den Jahren zuvor.
Und dann ging alles sehr schnell, denn man ist ja ein vertrautes Ehepaar. Es dauerte gerade mal 10 Tage, da saß man schon auf den ersten Eiern.
Juni: Die Küken im Altshausener Horst schlüpften in den ersten Maitagen. Es wurden vier an der Zahl, und am 18. Mai war das Quartett noch vollzählig. Bei der nächsten Beobachtung eine Woche später wurden dann aber nur noch drei Junge gezählt, das Kleinste hatte nicht genug Futter abbekommen, war zu schwach geworden und hatte nicht überlebt.
Kurz vor der Beringung der Jungstörche, die am Dienstag, den 7. Juni stattfinden sollte, geschah dann jedoch ein Unglück. Der Vater der Jungen wurde stark geschwächt in der Nähe einer Straße aufgefunden. Man brachte ihn zum Tierarzt, wo Abschürfungen am Bein und eine starke Dehydrierung festgestellt wurden. Man gab ihm Infusionen, die allerdings leider nichts mehr nützten, er starb noch beim Arzt. Was war geschehen? Am Tag zuvor war es sehr windig, fast stürmisch gewesen, und es wurde beobachtet, dass ein Storch von Altshausen Richtung Ravensburg abgedriftet wurde und vergeblich versuchte, gegen den Wind anzukämpfen. Ziemlich sicher handelte es sich um unser Storchenmännchen, denn sein Fundort befand sich in dieser Richtung. Obwohl im Kampf gegen Konkurrenten an seinem Horst immer siegreich, kam er gegen die Böen nicht an, war vermutlich gegen ein Hindernis geprallt und dann irgendwann erschöpft liegen geblieben. Anstrengung, Wind und Sonne hatten ihn ausgedörrt, so dass er sich nicht mehr aufrappeln konnte.
Da es für die Störchin nun sehr schwierig geworden wäre, allein die drei Jungen aufzuziehen, wurden zwei davon aus dem Nest genommen, beringt und gewogen und nach Salem gebracht, wo sie zu etwa gleichaltrigen Jungstörchen in zwei verschiedene Horste gesetzt wurden. Der Altshauser Störchin ließen wir das größte der drei, und weil es zu diesem Zeitpunkt bereits an die fünf Wochen alt war, sind seine Chancen recht gut. Jungstörche in diesem Alter werden während der Nahrungssuche sowieso meist schon allein im Horst gelassen und bei Regen auch nicht mehr von den Altstörchen abgedeckt, weil sie hierfür bereits zu groß sind.
Anfang August: Der verwitweten Störchin ist es gelungen, den Jungstorch bis zum Ausfliegen groß zu ziehen. Zwar benötigte er fast zwölf Wochen bis er sich erstmals vom Nest wagte (vielleicht wurde er als Einzelkind auch etwas zu sehr von seiner Mutter verwöhnt), doch dann hat er es gepackt. Am 2. August wurde er zusammen mit anderen Jungstörchen und einigen Einjährigen auf den Wiesen der Auhöfe bei Zußdorf beobachtet. Auch den beiden ausgehorsteten, in Nestern des Affenbergs großgezogenen Jungstörchen geht es gut, so dass die Saison für den Altshausener Nachwuchs insgesamt trotz des Unglücks noch ein gutes Ende nahm.
2010: Der Illmenseer kann´s nicht lassen. Ende Februar erschien
das Altshauser Weibchen auf dem Mastnest in der Senderstraße und
am selben Tag ein Männchen (A3725, geboren in Illmensee), das sich
schon seit 2008 in Altshausen herumtreibt. Letztes Frühjahr – das
angestammte Altshauser Männchen war noch nicht zurückgekehrt
– vermählte sich dieser Storch mit dem Altshauser Weibchen auf dem
Mastnest. Man hatte schon angefangen zu brüten, als der Horstinhaber
(A3402) am 30. März in Altshausen ankam, und der war verständlicherweise
von der Situation nicht begeistert: Es flogen die Fetzen, der Horstinhaber
gewann den Kampf.
Dieses Jahr nun ist das Männchen A3402 in weiser Voraussicht zwar
früher aus dem Süden zurückgekommen, nämlich am 18.
März, aber eben nicht früh genug! Wieder fand er den Illmenseer
auf seinem Horst zusammen mit seiner Angetrauten vor. Anfangs sah es so
aus, als würde er diesmal sein Nest nicht zurückgewinnen, obwohl
das Weibchen sich nur sehr halbherzig am Kampf beteiligte, sich meistens
heraushielt und während der Kämpfe das Weite suchte. Immer wieder
wurde der noch vom Zug geschwächte Horstinhaber durch den Illmenseer
vom Nest abgedrängt. Schließlich aber hat er es doch wieder
geschafft: Mit einigen Blessuren und deutlichen Blutspuren im Brustgefieder
stand er zwei Tage später fest auf seinen beiden Beinen im Horst,
vom Rivalen war nichts mehr zu sehen.
Das Paar klappert nun wieder einträchtig, die Eier sind bereits gelegt,
und seit den ersten Apriltagen brütet man.
Juni: Anfang Mai schlüpften dann auch die ersten Jungen. Insgesamt
wurden es fünf an der Zahl, von denen das Jüngste jedoch kurz
nach dem Schlupf tot unterhalb des Nestes gefunden wurde. Die übrigen
vier haben sich wacker gehalten, das kalte Maiwetter haben diese vier
alle überstanden. Die beiden Jüngeren des Quartetts scheinen
aber in der Familie etwas zu kurz zu kommen, denn sie sind deutlich kleiner
als ihre beiden älteren Geschwister. Vor allem das Viertgeschlüpfte
ist in der Entwicklung stark zurückgeblieben, und je größer
der Abstand zu den älteren Geschwistern wird, desto schwerer wird
es für ihn, bei der Fütterung seinen Anteil zu ergattern. Die
kritische Zeit wird sich daher für ihn verlängern, hoffen wir,
dass er sie schadlos übersteht.
Die Beringung der vier ist auf den 11. Juni angesetzt. Die Kuchenbäckerinnen
von Altshausen stehen also schon in den Startlöchern, denn anlässlich
der Beringung der kleinen Störche mit der Feuerwehr gibt es in "Storchenhausen"
in der Senderstraße immer ein kleines Straßenfest.
August: Was ist nur los in Altshausen? Alles sah zuerst
ganz gut aus, und bei der Beringung freuten sich Jung und Alt über
den Storchennachwuchs (ganz besonders "jung", denn die Feuerwehr
beförderte
wieder zahlreiche Kinder – in gebührendem Abstand vom Storchennest,
versteht sich – in luftige Höhen und ließ sie die Welt
einmal aus Storchenperspektive sehen). Als die Jungstörche aber
dann langsam erwachsen wurden, stellten sich wie im letzten Jahr Schäden
am Fluggefieder heraus. Einer der Beiden kam noch ganz gut weg dabei,
bei ihm war an beiden Flügeln nur jeweils eine Handschwinge nicht
ausgewachsen, und so brauchte er zwar sehr lange – er war schon
13 Wochen alt – bis er sich am 1. August erstmals vom Nest wagte,
aber er flog, und er schaffte es auch zum Horst zurück. Nicht so
sein Geschwister: Bei ihm waren gleich mehrere Schwungfedern an beiden
Flügeln sehr stark verkürzt. Sein Jungfernflug zwei Tage später – er
hielt es jetzt natürlich auch nicht mehr alleine auf dem Nest aus
- endete gleich unterhalb des Horstes, wo er eingefangen werden konnte
(die Feuerwehr war gerade für diesen Tag schon organisiert, falls
er sich nicht vom Nest trauen würde).
Zur Zeit befindet er sich in Pflege am Affenberg, wo er der alten Riedlingerin in einer großen Voliére Gesellschaft leistet. Hoffentlich
lässt ihm die Greisin auch ab und zu etwas Futter übrig, denn
der Ölkofer Jungstorch, der vorher zeitweise bei ihr einquartiert
war (inzwischen aber erfreulicherweise fliegen kann), hatte es angeblich
schwer, sich bei Tisch gegen die Dame durchzusetzen (nach dem Motto:
Alter vor Schönheit...).
Die Flugunfähigkeit des Altshauser Storchs wird ebenfalls nicht
von Dauer sein. Nach Gefiederwechsel wird er sich wie seine Artgenossen
in die Lüfte erheben können.
Es wird mittlerweile angezweifelt, ob für das mangelhafte Auswachsen
der Hand- und Armschwingen – in den letzten Jahren in bestimmten
Regionen gehäuft auftretend – tatsächlich Nahrungsmangel
zur Gefiederentwicklungszeit verantwortlich ist; den Ursachen soll in
nächster
Zeit gezielt nachgegangen werden. Nur die durchsichtige Querstreifung
einiger Federn, wie sie beim Altshauser Jungstorch ebenfalls zu beobachten
ist, ist wohl ziemlich sicher auf Nahrungsmangel während des Gefiederwachstums
zurückzuführen.
2009: In
Altshausen geht es dieses Frühjahr
hoch her. Das Storchenweibchen ist heiß umworben, ein Kampf folgt
dem anderen, und mittlerweile hat die Dame schon den dritten Gatten.
Dieser ist der letztjährige Brutstorch und hat nun wohl endgültig
das Rennen gemacht.
Aber von Anfang an:
Am 28. Februar erschienen auf dem Masthorst der Senderstraße, wo letztes
Jahr gebrütet wurde, zwei Störche: die letztjährige Brutstörchin
A1704, gebürtig in Salem (Affenberg) und ein Männchen A5328, das 2008
südlich von Altshausen im Föhrenried gebrütet hatte (ohne Bruterfolg).
Auch Anfang März waren beide noch zusammen auf dem Altshausener Mastnest
zu beobachten. Am 2. März erschien außerdem auf dem Postnest wieder – und
wieder allein - unser altbekanntes erfolgloses Männchen A3725 aus Illmensee,
das schon mal in Bad Schussenried drei Junge hatte (alle allerdings bei dem schrecklichen
Pfingstwetter eingegangen) und die letzte Brutsaison einsam auf dem alten Postgebäude
verbrachte. Hartnäckiger Bursche, dachte ich, gibt auch auf anscheinend
verlorenem Posten nie auf!
Dann erfuhr ich, dass A5328 auf einmal in Fronhofen gesichtet wurde und dachte:
Hoppla, ist das letztjährige Brutmännchen nach Altshausen zurückgekehrt
und hat ihn vertrieben? Weit gefehlt! Ich fuhr nach Altshausen und fand ziemlich
unerwartet in trauter Zweisamkeit turtelnd die Brutstörchin A1704 zusammen
mit dem Illmenseer A3725 auf dem Mastnest vor. Geduld zahlt sich eben manchmal
doch aus, dachte ich, denn bei den folgenden Nestkontrollen waren die Beiden
immer noch zusammen, und Ende März begann man mit der Brut.
Insgesamt drei Wochen dauerte das Glück des Illmenseers; dann, am 30. März,
kehrte auf einmal der Horstinhaber vom letzten Jahr (A3402) zurück. Der
ließ sich das Ganze nicht gefallen und zettelte einen heftigen Streit an,
bei dem er den Eindringling vertrieb und außerdem auch ein Ei aus dem Nest
purzelte.
Derzeit wird die Brut fortgesetzt. Der Vater der Küken ist jedoch mit Sicherheit
der Illmenseer, der sich nun wieder auf dem Postnest niedergelassen hat, von
wo aus er immer wieder das Paar angreift. Wie das wohl weitergeht?
Juni: Bis jetzt verläuft alles ziemlich friedlich.
Die Jungen sind geschlüpft, vier an der Zahl. Das Weibchen hatte also
fünf Eier
gelegt (wir erinnern uns, eines wurde aus dem Nest geworfen, vermutlich war
es das erste Ei). Die Brut hatte – vermutlich aufgrund des Kampfes
– etwas verzögert begonnen, ca. um den 5./6. April. Zwei der Jungen
sind noch recht klein; hoffen wir, dass ihre großen Geschwister ihnen
beim Schmaus genug übrig lassen und sie die nächsten Wochen gut überstehen.
Das Unwetter am 26. Mai konnte ihnen jedenfalls nichts anhaben.
Juli: Das kleinste der vier Jungen scheint schließlich
doch zu schwach gewesen zu sein, um Kälte und Nässe Anfang
Juni zu überstehen,
denn am 9. Juni konnten nur noch drei Junge im Nest festgestellt werden.
Am 16. Juni versammelten sich wieder die Altshauser Bürger in Storchhausen
im Storchengäu (so wurde der horstbelegte Mast von den Eigentümern
des Hausgartens, in welchem der Mast steht, benannt), brachten Kaffee
und Kuchen sowie beste Laune mit und feierten die bis dahin erfolgreiche
Aufzucht der drei kleinen Adebare. Diese waren zwar zunächt wohl
etwas erschrocken, als der Korb der Altshauser Feuerwehr – diese erstmals
im Besitz einer eigenen Drehleiter – auf einmal am Nestrand auftauchte;
die Beringung hatten sie jedoch schnell überstanden, und als ihnen
die Kinder des Altshauser Kindergartens ein Ständchen vortrugen,
wurden sie bereits wieder von den Storcheneltern umsorgt.
Kurz vor ihrem
ersten Ausflug wurden dann allerdings bei einem der Jungstörche
Defekte im Gefieder des rechten Flügels festgestellt, und es bestanden
berechtigte Zweifel an seiner Flugfähigkeit. Tatsächlich schafften
auch nur zwei der nun schon recht großen Jungstörche problemlos
ihren ersten Flug auf die Wiese und zurück zum Horst, während
der Flug des dritten in einer Bruchlandung endete. Die aufmerksamen Anwohner
kümmerten sich sofort um den Unglücklichen; er wurde untersucht
und schließlich nach Salem auf den Affenberg gebracht. Wie es sich
herausstellte, ist der Schaden glücklicherweise reparabel: man konnte
die Fahnen der Federn aus den Federkielen befreien, und möglicherweise
kann der Storch schon in ein paar Tagen freigelassen werden (Stand: 31.
Juli).
2008: Zuerst konnten
sich die Störche noch nicht so richtig
entscheiden, auf welchem der Horste in Altshausen sie nun in diesem Jahr
brüten sollten – wir erinnern uns, das Paar hatte sich im
letzten Sommer eine "Zweit-" und sogar eine "Drittwohnung" zugelegt.
Aber dann ließ sich das nun fünfjährige Männchen
aus Salem mit seiner ein Jahr älteren,
ebenfalls vom Affenberg stammenden Gattin endgültig auf dem Mast
in der Senderstraße im Südteil
von Altshausen nieder, und Anfang April begannen sie dort zusammen das
Brutgeschäft.
Auch auf dem Horst des alten Postgebäudes gegenüber dem Rathaus waren
jedoch immer wieder Störche zu sehen. Besonders gut gefällt
er anscheinend einem aus Illmensee stammenden
Storchenmännchen, das im letzten Jahr in Bad Schussenried drei
Junge an Pfingsten verloren hatte. Seit Ende März
ist es hier regelmäßig – zuweilen einsam klappernd oder im Horst
vor sich hindösend – zu beobachten. Ob sich ihm noch
ein Weibchen zugesellen wird?
Juni: Der Storch auf dem Horst des alten Postgebäudes war auch Anfang
Juni immer noch allein. Dennoch gab er den Horst bis jetzt noch nicht auf.
Ob er auch im nächsten Jahr wiederkommen wird und sich dann eine
Partnerin mitbringt?
In der Senderstraße ist dagegen seit ca. Mitte Juni die Familie komplett.
Um den 8. Mai schlüpften hier die ersten Storchenküken aus den
Eiern. Insgesamt wurden es drei. Man freute sich sehr in Altshausen, dass
das Trio seine ersten Lebenswochen gut überstand und am Freitag, den
13. Juni, beringt werden konnte. Und deshalb war auch so richtig was los
am Morgen dieses Freitags. Ein kleines Straßenfest war in der Senderstraße
organisiert worden, es gab Kaffee und Kuchen und die Kinder des Kindergartens
brachten den kleinen Störchen sogar ein Ständchen dar: "Auf
unserer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe..." Die Storchenfreunde
erfuhren, dass alle drei Jungstörche gut genährt sind (sie wogen
zwischen zweidreiviertel und dreieinviertel Kilogramm) und allerbeste Chancen
haben, auch noch die kommende Woche bis zur vollständigen Gefiederentwicklung
gut zu überstehen. Als dann noch der Feuerwehrmann anbot, alle Kinder
(in angemessener Entfernung vom Horst, damit die Storcheneltern wieder in
Ruhe ihren Nachwuchs versorgen konnten) mit dem Korb hinaufzufahren und einmal
aus luftigen Höhen auf Storchennest und Festgesellschaft hinunterblicken
zu lassen, war die Begeisterung der Sprösslinge nicht mehr zu bremsen.
Denn so etwas erlebt man schließlich nicht alle Tage, und dass wir
Freitag, den 13. hatten, hat keinen gestört.
Juli: Fast hätte es unter den Altshausener Jungstörchen doch
noch ein Unglück gegeben: Am 19. Juni fiel einer der Kleinen aus
dem Nest – vermutlich hatte er sich beim Abkoten zu weit an den
Nestrand gewagt. Glücklicherweise schlug er nicht auf der Erde auf,
sondern fiel in ein Gebüsch. So hatte er sich nichts gebrochen und
blieb auch im Übrigen unverletzt. Nach Untersuchung bei einer Tierärztin
und einer kleinen Aufbauspritze wurde er wieder zu seinen Geschwistern
ins Nest zurück gebracht.
Jetzt kann so etwas nicht mehr passieren, denn seit Mitte Juli verlassen
die Störche das Nest so wie es sich gehört: Flügel ausbreiten
und los! Noch vervollständigen sie ihre Flugkünste und die
Techniken des Nahrungsfangs, aber bald geht es ab in den Süden.
2007: Schon Anfang März erschien dieses Jahr ein Storchenpaar
in Altshausen. Vermutlich waren es andere als letztes Jahr, denn sie
verschwanden bald wieder. Dann schaute sich kurzzeitig das in Isny geborene,
im letzten Jahr in Aulendorf brütende Männchen in Altshausen
um, verzog sich dann aber wieder nach Aulendorf. Am 20. März erschien
schließlich ein Storch, der vor drei Jahren in Ummendorf geboren
wurde, entschloss sich dann aber ebenfalls bald, sein Glück woanders
zu suchen.
Ende März war es dann endlich soweit. Später
als letztes Jahr kam das angestammte Altshausener Männchen an seinen
Horst zurück,
an seiner Seite jedoch nicht seine letztjährige unberingte Dame, sondern
ein am rechten Bein beringtes Weibchen, das sich bald als die letztjährige Fleischwangener Brutstörchin
herausstellte. In Fleischwangen schlüpften
in der letzten Brutsaison keine Jungen aus den Eiern. Vermutlich hat diese
Erfahrung das Weibchen dazu bewogen, Horst und Männchen zu wechseln.
Ca. am 10. April begann das neu vermählte Paar mit der Brut.
Juni: Um den 10. Mai schlüpften die ersten Jungen
in Altshausen, Insgesamt wurden es drei. Das nasskalt-stürmische
Wetter am Pfingstmontag und dem nachfolgenden Dienstag überstanden
die zu diesem Zeitpunkt fast drei Wochen alten Jungen jedoch leider nicht.
Hoffen wir auf bessere Bedingungen im nächsten Jahr.
Die Altstörche, nun ohne elterliche Verpflichtungen, haben sich
derweil wieder auf den Nestbau verlegt. Auf einen Niederspannungsmast
in Nähe des Rathauses bringen sie Äste auf und geben so ihrem
wieder auflebenden Nisttrieb Ausdruck, auf einem weiteren Mast beim Steinmetz
Vogler haben sie sogar mit dem Bau eines dritten Nestes begonnen. Nestbauaktivitäten
sind derzeit in vielen Orten
Oberschwabens und auch anderswo, wo Störche ihre Jungen verloren
haben, zu beobachten. Ein solcher Bau eines "Alternativ-Nestes" wird
gelegentlich auch von "arbeitslosen" Altstörchen unternommen,
deren Jungen bereits flügge geworden sind (siehe vor ein paar Jahren
in Bad Waldsee).
2006: Den Störchen scheint es letztes Jahr in Altshausen gefallen
zu haben, denn Mitte März kamen sie wieder und bezogen ihren Horst.
Nach Geturtel und Herrichten der Wohnstatt legte das Weibchen schon in
der ersten Aprildekade die ersten Eier, die jetzt abwechselnd von beiden
Partnern bebrütet
werden. Sie sind mit dem Brutgeschäft also fast einen Monat früher
dran als letztes Jahr, aber da mussten sie sich ja auch erst mal orientieren
und sich kennenlernen.
Immer wieder ist ein dritter Storch am Nest zu beobachten. Das Geplänkel
mit dem Fremdstorch ließ sich zunächst harmlos an, um den 20. April
kam es jedoch zu einem heftigen Kampf, bei dem ein Ei aus dem Horst geworfen
wurde.
Juni: Um den 12. Mai schlüpfte ein Junges. Ihm gilt seitdem die
ganze Fürsorge seiner Eltern, denn es blieb ein Einzelkind. Die
kalten und nassen Tage im Mai hat der Jungstorch gut überstanden,
denn er musste die in Regenzeiten knappere Nahrung nicht mit Geschwistern
teilen und erhielt stets ausreichend Schutz vor Wind und Wetter unter
dem Körper des jeweilig am Nest wachenden Altstorchs.
Am 19. Juni
um 2 Uhr nachmittags wird es wieder ein kleines Fest in Altshausen geben;
um 2 Uhr nachmittags an diesem Tag soll der kleine Storch nämlich
seinen Personalausweis, den Ring, erhalten, und das Ereignis wird mit Kaffee
und Kuchen gefeiert.
Im Alter von ca. 75 Tagen erhob sich der Altshausener Jungstorch
zu seinem Jungfernflug in die Lüfte, und man kann jetzt die
ganze Familie zusammen auf Nahrungssuche auf den Wiesen um Altshausen
beobachten. Doch nicht mehr lange. Denn die ersten Jungstorch-Zugtrupps
sammeln sich schon seit Ende Juli im Pfrunger-Burgweiler-Ried, und der
Altshausener Jungstorch wird bald von seinen Eltern Abschied nehmen,
sich den Trupps anschließen und in den Süden ziehen.
2005: Seit langer
Zeit gibt es zum erstenmal wieder brütende Störche in Altshausen.
1946 - also vor ca. 60 Jahren - brüteten hier zum letzten Mal Störche
auf der Reitschule, 1962 hielt sich ein Paar einige Wochen in Altshausen
auf, brütete jedoch nicht.
Schon letztes Jahr versuchten Störche auf einem Elektromasten in
der Stadtmitte ein Nest zu bauen. Der Mast wurde umgehend gesichert, und
es wurde von der Stadt den Störchen ein Alternativ-Nest auf dem benachbarten
Postsaal der Gemeinde angeboten, das jedoch zunächst nicht angenommen
wurde. Stattdessen zogen die Adebare nach wenigen Tagen wieder ab.
Auch in diesem Jahr schien die Besiedlung des Horstes zunächst unsicher,
denn das am 31. März erschienene Paar sah sich Anfang April außerdem
kurzzeitig in Aulendorf um, entschied sich dann jedoch endgültig
für den Altshausener Horst. Einer der Störche ist beringt, er
stammt aus Salem-Affenberg und ist erst
zwei Jahre alt, sein Partner ist unberingt.
Anfang Mai begannen sie – für die Altshausener Bürger
fast unsichtbar, denn ein liegender Storch ist in dem Nest von unten kaum
auszumachen - mit dem Brutgeschäft. Aus dem Gelege schlüpften
zwei Junge, die hoffentlich die Regengüsse in der Nacht vom 14. auf
den 15. Juni gut überstanden haben (eine Nesteinsicht ist nur vom
Dachboden des Schlosses möglich, Nestkontrolle hier am 13. Juni mit
freundlicher Erlaubnis der Schlossherren).
August: Tatsächlich haben die Altshausener Jungen ihre Nestlingszeit
bisher gut überstanden, am 15. Juli wurden sie beringt, was von den
Altshausenern Bürgern als besonderes Ereignis mit Kaffee und Kuchen
gefeiert wurde. Sie sind jetzt schon fast so groß wie ihre Eltern
und sind sogar bald soweit, ihren ersten Ausflug zu wagen. Langsam wird
es ja auch Zeit, denn ihre Artgenossen sammeln sich schon langsam zum
Wegzug. Wünschen wir ihnen weiterhin viel Glück.
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