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Die Störche Oberschwabens |
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Scheer
Bei der Beringung auf dem Dachboden des Schlosses (2007). Fotografin: Jutta Hoffmann, Schloss Scheer |
| 2011: Das alteingesessene Paar hat sich wieder auf seinem Horst in luftigster Höhe auf dem Schlossgiebel eingefunden. Das Nest wurde im letzten Herbst samt Nistunterlage von Herrn Löw vom Nabu Mengen und Zimmermännern der Fa. Stahl vollständig abgetragen und neu aufgebaut. In der neuen Wohnstatt am alten Platz liegen seit Ende März die ersten Eier. Juni: Ob es von Anfang an nur einen Jungstorch im Scheerer Horst gab, oder ob mehrere Junge geschlüpft waren und in ihren ersten Tagen starben, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Da man nur aus beträchtlicher Entfernung einigermaßen in den Horst sehen kann und die Luft dieses Jahr oft sehr stark flimmerte, überdies einige Papierfetzen oder ähnliches ins Nest eingetragen worden waren, die wie Köpfchen aussahen und sich manchmal auch im Wind bewegten, war die Unterscheidung kleiner Nestlinge äußerst schwierig. Anfangs hatte ich den Eindruck, es seien drei Junge im Nest, doch gab es keine Erklärung dafür, warum zwei gleich hätten sterben sollen, zumal die Scheerer Eltern fürsorgliche Brutstörche sind. Am 10. Mai war ich mir jedenfalls sicher, dass sich nur ein kleiner Storch im Nest tummelte. Anfang August: Er hat es tatsächlich geschafft! Die Wunde ist – soweit man das aus der Ferne beurteilen kann – gut verheilt, das Bein völlig abgeschwollen. Und im Alter von elf Wochen konnte der Scheerer Jungstorch fliegen. Nochmal Glück gehabt! Wünschen wir ihm eine gute Reise und ein langes Leben. Wer weiß, vielleicht werden wir ihn ja eines Tages wiedersehen. 2010: An den ersten beiden Märztagen sind die Scheerer Störche aufs Schloss zurückgekommen. Es ist unser altbekanntes Paar. Bisher gibt es keine besonderen Vorkommnisse. Mit der Brut begannen sie um die Monatswende März/April. Juni: Mit Beginn des Mais schälten sich die ersten Küken aus den Eierschalen. Anfangs war es gar nicht einfach, festzustellen, wieviele es denn nun sind, denn die Eltern hatten den Horst wegen des kalten Windes randlich ziemlich zugebaut. Schließlich wurden aber dann doch vier Junge entdeckt, die immerhin noch am 26. Mai vollständig gesehen wurden. Als die Zimmermänner der Fa. Stahl jedoch am 4. Juni die Jungen für kurze Zeit zur Beringung auf den Dachboden des Schlosses holten, fanden sie nur noch drei im Nest vor. Diese drei waren jedoch im Gefieder ziemlich gut entwickelt, der Größte wog fast 3 kg und war auch schon recht aufmüpfig. Juli: Das heiße Wetter macht auch unseren Störchen etwas zu schaffen. Mit offenem Schnabel und wenig erpicht auf Flugmuskulatur-Training waren die Jungstörche während der heißen Wochen oft auf dem Horst zu sehen, die Beine weiß bestrumpft (d.h. zur Kühlung mit Kot bespritzt). Mitte Juli wagte sich dann aber doch der erste vom hochgelegenen Horst auf dem Schloss und drehte eine Runde um den Schlossgiebel. Wenn man zum Scheerer Horst hochsieht, wird einem klar, dass eine gehörige Portion Mut dazugehört, diesen ersten Schritt über das sichere Nest hinaus zu wagen und sich ganz und gar den Lüften anzuvertrauen, denn eine Bruchlandung könnte tödlich sein oder erheblichen Verletzungen zur Folge haben. Diese Mutprobe muss jedoch jeder der Scheerer Jungstörche bestehen; umso tragischer, wenn das gerade beginnende Leben der schönen Vögel bei ihren ersten Ausflügen an einer Freileitung endet (wie es vor ein paar Jahren der Fall war, als sämtlichen Scheerer Jungstörche durch Stromschlag ums Leben kamen; auch kommen fast jedes Jahr einige Jungstörche Oberschwabens auf dem Zug durch mangelhaft gesicherte Strommasten um). Hoffen wir, dass die Scheerer Störche wohlbehalten in ihrem Winterquartier in Spanien oder im westlichen Afrika ankommen werden, und wir sie irgendwann bei uns wiedersehen. 2009: Ab Ende Februar konnte ein Storchenpaar
auf dem Scheerer Schloss beobachtet werden. Die Storchendame stellte
sich nach Ringablesung jedoch nicht als die letztjährige Störchin, sonder als die Brutstörchin
von Beizkofen heraus. Das neue Glück wurde aber bald gestört,
denn die Horstinhaberin ließ nicht lange auf sich warten. Noch
in der ersten Märzdekade erschien sie und verjagte die Fremde von
ihrem Nest. Die Nebenbuhlerin gab klein bei und verkrümelte sich
wieder nach Beizkofen. Im Scheerer Nest pflegte man daraufhin wieder
die alte Freundschaft und begann in den letzten Märztagen mit der
Bebrütung eines Geleges. Juli: Am 5. Juni war es dann soweit: Die beiden Jungstörche
wurden vom Juniorchef der Fa. Stahl zusammen mit einem Mitarbeiter vom
Dach geholt und erhielten ihre persönliche Kennzeichnung ans linke
Bein (alle Störche werden in ungeraden Jahren wie 2009 stets links,
in geraden Jahren rechts beringt). Der größere der Beiden
war mit seinen fast 3,4 kg ein richtiger "Brummer", der kleinere
brachte 2,8 kg auf die Waage. Der kleinere verhielt sich etwas komisch,
röchelte und sabberte. Nach eingehender abendlicher Beobachtung
des Jungstorchs war jedoch zu unserer Erleichterung klar, dass er völlig
gesund war und sich lediglich kurz vor der Beringung gerade den Kropf
mit Futter vollgeschlagen hatte. 2008: Anfang März trafen die Scheerer Horstinhaber auf dem Schloss
ein. Die Scheerer Störche waren eines der wenigen Brutpaare, die
im letzten Jahr Nachwuchs hatten, sie brachten immerhin ein Junges zum
Ausflug. Seit ca. Ende März bebrüten sie wieder ein Gelege
und wechseln sich am Horst regelmäßig ab. Juli: Es ist soweit. Um den 10. Juli trauten sich die Scheerer Jungstörche das erste Mal von ihrem hoch über Scheer gelegenen Nest auf dem Schlossgiebel. Alles klappte problemlos bei ihrem Jungfernflug, und so steht der baldigen Reise nach Spanien und vielleicht Westafrika (falls hoffentlich nicht wieder eine Stromleitung dazwischenkommt) nichts mehr im Wege. 2007: Der Unberingte und seine Schweizerin sind wieder auf dem Scheerer Schloss eingetroffen. Schon Ende März haben sie mit dem Brutgeschäft begonnen und derzeit schlüpfen die ersten Jungen. Hoffen wir, dass diesmal alles gut geht, und sich nicht wieder – wie im letzten und vorletzten Jahr – Dramen abspielen. Juni: Dieses Jahr teilten sich zwei Junge den Scheerer Horst. Da sie schon um den 25. April geschlüpft waren, hatten sie an Pfingsten ein Alter von ca. 5 Wochen erreicht. Ihre kritische Nestlingszeit war zu dieser Zeit also noch nicht ganz überstanden, und da sie sich den Schutz unter dem Altstorch teilen mussten, überlebte der kleinere der Beiden das üble Wetter nicht. Ihren Ring erhielten sie schon eine Woche zuvor mit Hilfe der Zimmermänner der Fa. Stahl, die die Störche aus dem Nest holten und zur Dachluke des Schlosses hineinreichten. Ungewöhnlich lange bewachten die Eltern dieses Jahr ihren verbliebenen Nachwuchs. Fast bis zum Ausflug war stets einer der Altstörche am Nest, häufig wurden Zärtlichkeiten zwischen Alt- und Jungstorch augetauscht. Anfang Juli schließlich wurde der Scheerer Jungstorch flügge. Und so konnte ich am 8. Juli die ganze Familie in einer hohen, wunderschön bunt blühenden Wiese in Nähe der Straße nach Mengen bei der Futtersuche beobachten, ein idyllisches Bild.2006: Auf dem Horst des Schlossgiebels in Scheer
trafen Anfang März
die Störche ein. Sehr wahrscheinlich sind es unsere alten Bekannten
(das Männchen ist wie im letzten Jahr unberingt und deshalb nicht
eindeutig zu identifizieren). Juni: Um den 5. Mai schlüpften die ersten Störche auf dem Scheerer Schloss. Es wurden insgesamt vier Küken, die noch am 29. Mai alle lebend beobachtet wurden. Allerdings war zu dieser Zeit bereits eines der Jungen in der Entwicklung zurückgeblieben. Es überlebte die nächsten Tage nicht, denn am 2. Juni wurden nur noch drei Junge auf dem Horst gesehen. Die Beringung des Trios fand am 7. Juni statt, dabei wurde auch der tote Nestling vom Horst geholt. Den dreien kann bis zum Ausflug jedoch nichts mehr passieren, Regen und Kälte können ihnen nun nichts mehr anhaben, denn im Alter von 6 Wochen ist ihr Gefieder voll entwickelt. Wie in Saulgau und Herbertingen so passierte es dieses Jahr auch in Scheer, dass einer der Jungstörche – in Scheer war es der Älteste – sich zu früh vom Nest traute oder möglicherweise auch bei Flugübungen durch eine Windbö vom Nest abgetrieben wurde. Nur endete für diesen Scheer Storch die Geschichte in völlig unsinniger Weise tragisch: Noch nicht ganz flugfähig, schlitterte der Storch das Dach der Metzgerei Schmuker hinab und blieb im Schneegitter hängen. Mit Blessuren, die aber nicht lebensbedrohlich waren – Abschürfwunden an den Beinen, einige abgebrochene Schwanzfedern – konnte er gerettet werden und wurde zum Spezialisten Dr. Haas gebracht. Dort wurde er verarztet und danach ins Vogelschutzzentrum Mössingen zur Pflege gegeben, wo er aufgepäppelt wurde und in einer Voliére das Fliegen üben konnte. Nach wenigen Wochen, am 27. Juli, wurde er dort abgeholt und freigelassen. Geplant war zunächst, ihn bei seiner Scheerer Storchenfamilie wieder auszusetzen. Da man aber diese trotz stundenlanger Suche nicht finden konnte, ließ man ihn bei den Beizkofener Störchen frei, die sich gerade auf einer frisch gemähten Wiese an den ausgemähten und deckungslosen Mäusen und Heuschrecken gütlich taten. Der etwas schüchterne Scheerer Jungstorch wurde von der Beizkofener Familie nicht vertrieben im Gegensatz zur übrigen Scheerer Familie, die auf einmal am Himmel erschien und sich ebenfalls auf der Wiese niederließ. Der freigelassene Jungstorch blieb in Hohentengen-Beizkofen und hielt sich am Abend des 29. Juli auf dem Hohentengener Sportplatz auf. Und dort geschah dann etwas Unfassbares. Ein Vollidiot – anders kann man diese Person nun wirklich nicht bezeichnen – erschoss den Storch mit einem Schrotgewehr. Gegen 21 Uhr, der Storch blutete noch, fand man ihn mit 20 Einschusslöchern tot neben einem Schotterweg. Wer für diese vollkommen unsinnige Tat verantwortlich ist, wird man wohl kaum herausfinden, da man bei Schrotkörnern auf die Waffe keine Rückschlüsse ziehen kann. Hoffen wir, dass der Schütze sich wenigstens der Dummheit seiner Tat durch die nachfolgenden Presseartikel bewusst geworden ist; den Scheerer Storch hat sie sein gerade begonnenes Leben gekostet. 2005: Das Scheerer
Weibchen, seit 2003 neu im dortigen Horst, setzte dieses Frühjahr
eine Gewohnheit des bis dato in Scheer brütenden Weibchens fort:
Es besuchte für einige Zeit das Mengener
Männchen und vermählte sich sogar mit diesem. Nach ein paar
Tagen verließ es allerdings den gerade erst neu eroberten Gatten
und zog wieder auf den Scheerer Horst um. Dort wartete schon seit einiger
Zeit ein unberingter Storch auf Gesellschaft, also nicht der Schweizer
vom letzten Jahr; die Beiden taten sich zusammen und brüten jetzt
seit Anfang April. 2004: In Scheer ging
im letzten Frühjahr ein schweizerisch-deutsches Bündnis in die
Brüche. Der 1998 in Kreuzlingen in der Schweiz geborene Storchenmann
vermählte sich erstmals mit einer ein Jahr jüngeren, ebenfalls
in der Schweiz (Altreu) geborenen Störchin; seine frühere Gattin,
die aus Riedlingen stammte, wurde vertrieben.
2003: Auch in Scheer
überwinterte einer der beiden Störche in Oberschwaben. Das Scheerer
Weibchen ist im Winter gelegentlich zusammen mit dem Mengener
Männchen auf den Wiesen um Scheer/Mengen zu sehen und verbringt wie
dieses die kältesten Tage am Bodensee (hier lässt es sich in
Böhringen durchfüttern).
Ende April 2002 schlüpften 4 Junge, von denen
das erste bei den Unwettern an Pfingsten ums Leben kam, die übrigen
3 Jungen starben Ende Mai. Die Tiere konnten erst ca. eine Woche später
vom Dach des Schlosses geholt werden, so dass aufgrund des Zersetzungsgrades
die Todesursache nicht mehr eindeutig geklärt werden konnte. Bei
dem noch am besten erhaltenen Kadaver stellte man einen Futterwickel im
Magen fest, ein Hinweis auf Unterernährung. |