|
Die Störche Oberschwabens |
|
Zußdorf
|
| 2011: Das vertraute Paar – er aus dem Elsass, seines Zeichens Überwinterer in Mitteleuropa, sie aus Böhringen – haben sich wieder in Zußdorf eingefunden. Wie im letzten Jahr begannen sie mit dem Brutgeschäft schon Ende März. Juni: Seit den ersten Maitagen gibt es Nachwuchs im Zußdorfer Nest. Es schlüpften insgesamt vier Junge aus den Eiern, von denen drei durchkamen. Das Nesthäkchen wurde Ende Mai aus dem Nest geworfen. Die drei Jungstörche wiesen bei der Beringung ein zufriedenstellendes Gewicht auf und werden sich schon bald im Fliegen üben. Anfang August: Die jungen Adebare im Zußdorfer Nest waren gerade neun Wochen alt, da wollten sie mal was anderes als Bushaltestelle, Brunnen und Bräuhaus sehen (auch wenn da immer mal wieder was geboten war, sogar einer Vorstellung von Feuerspuckern durften sie beiwohnen). Der Abflug gelang ihnen tadellos. Jetzt stolzieren sie auf grünen Wiesen, mittlerweile fast rotbeschnäbelt und -bebeint. Lange wird man sie aber nicht mehr hier beobachten können, denn die Ferne ruft schon ganz gewaltig. Die nächste stabile Wetterlage werden sie vermutlich nutzen und auf große Reise gehen. 2010: Man hat sich in Zußdorf doch wieder für den alten Horst entschieden. Und es ist auch wieder das altbekannte Paar, das sich um den 20. Februar in Zußdorf getroffen hat und recht bald – Ende März – mit der Brut begann. Wünschen wir ihnen, dass sie diesmal von Unwettern verschont bleiben. Juni: Mit den ersten Maitagen kam Bewegung in den Zußdorfer Horst. Bald streckten sich drei Schnäbelchen in die Höhe und verlangten nach Futter (nach Beobachtungen von Herrn Storz vom benachbarten Bräuhaus waren es anfangs sogar vier). Meist aber waren sie unter einem der Altstörche verborgen, und so überstanden sie auch zunächst alle die Nässe- und Kältewelle in den ersten drei Maiwochen. Die zweite Kälteperiode war dann aber für das wahrscheinlich schon ziemlich geschwächte Nesthäkchen zuviel. Am 31. Mai wurde es von den Altstörchen tot aus dem Nest geworfen. Wie sich die beiden übrigen entwickelt haben, wird man am 6. Juni feststellen, wenn sie mit dem Ring ihre persönliche Kennnummer erhalten. Juli: Besonders schwergewichtig waren sie nicht gerade,
die beiden fünfwöchigen Jungstörche im Zußdorfer
Horst. Aber im Hinblick auf die diesjährigen, ziemlich schwierigen
Aufzuchtbedingungen kann man mit Gewichten von ca. zweieinhalb Kilogramm
schon einigermaßen zufrieden sein. Als die Schafskälte Mitte
Juni einsetzte, waren sie dann in der Entwicklung doch weit genug, um
diese schadlos zu überstehen. Sehr schön konnten deshalb die
Teilnehmer einer vom Naturschutzzentrum angebotenen Exkursion am 27.
Juni Adebars Familienleben von der Gartenwirtschaft des Bräuhauses
aus beobachten. Einer der Höhepunkte war sicherlich die Tränkung
der kleinen Störche mit Wasser, das der Altstorch mehrmals in nächster
Nähe aus dem Brunnen holte (siehe Fotos unten). Fotos vom 26. Juni 2010 von Pia Wilhelm:
2009: In Zußdorf bleibt dieses Jahr alles beim Alten. Es sind
wie im Jahr 2008 wieder der Franzose und das Weibchen aus Böhringen
zusammen. In den letzten Märztagen haben sie mit der Brut begonnen. Juli: Da ich zunächst davon ausgegangen war, die Jungen in Zußdorf hätten das Unwetter überlebt (da der Horst relativ gut geschützt ist) und ich von dem Desaster erst bei der nächsten Horstkontrolle kurz vor dem Wochenende erfuhr, lagen die schon recht großen toten Jungen noch längere Zeit im Nest, bevor ich sie mit Hilfe der Feuerwehr aus dem herausholen konnte. Die Altstörche versuchten die Beseitigung zwar selbst, es gelang ihnen aber nicht. Deshalb gefiel es ihnen auch wohl nicht mehr auf ihrem Horst beim Bräuhaus und sie bauten sich ein zweites Nest auf einem ähnlichen Niederspannungsmast in der Zoglersteige. In welchem Horst sie wohl nächstes Jahr brüten werden? 2008: Die ehemalige Zußdorfer Brutstörchin, die letztes
Jahr zur Brut nach Esenhausen umgezogen war, ist auf ihren Horst nach
Zußdorf zurückgekehrt. Dafür zog die letztes Jahr in
Zußdorf brütende Störchin nach Esenhausen um. Juli: Fast 11 Wochen brauchten die Zußdorfer Jungen bis sie sich erstmals vom Nest wagten. Aber dafür klappte auch alles tadellos. Jetzt werden die Flugkünste noch perfektioniert und es wird auf den Wiesen erstmal ordentlich gefuttert, bevor es über Frankreich ins sonnige Spanien geht. Vielleicht überqueren sie auch die Meerenge westlich von Gibraltar und ziehen weiter nach Süden, um sich den Winter über in den Savannen Westafrikas die fetten Heuschrecken einzuverleiben. Wünschen wir ihnen viel Glück auf ihrer großen Reise. 2007: Nachdem im letzten Jahr das Zußdorfer Männchen umgekommen war, sah es für Zußdorf in diesem Jahr erstmal schlecht aus. Zwar erschien die Zußdorfer Störchin im Februar, da sie jedoch zunächst allein blieb – das zierliche Männchen vom letzten Spätsommer war noch nicht erschienen –, machte sie sich auf ins benachbarte Esenhausen (wo sie jetzt brütet). Der Zußdorfer Horst, durch ein grünes Grasbüschel außerdem wenig attraktiv, blieb daraufhin erstmal leer. Frau Wilhelm vom Naturschutzzentrum in Wilhelmsdorf packte die Sache am 10. April tatkräftig an und säuberte den Horst mit Hilfe der Feuerwehr, und schon zwei Tage später erschienen die ersten Störche. Und dann war wirklich was los hier! Am 12. April erschienen der Wilhelmsdorfer Franzose und ein Weibchen mit der Nummer A3791, das in diesem Horst vor drei Jahren geboren wurde (!) und paarten sich. Zwei weitere Störche kamen dazu, die jedoch bald wieder abflogen. Auf einmal erschien der Esenhausener Brutstorch, mischte sich ein und versuchte das Weibchen A3791 zu vertreiben – vielleicht fürchtete er die Konkurrenten, denn Nahrungsgebiete sind in der Gegend zwischen Esenhausen und Zußdorf knapp. Schließlich erschien eine weitere beringte Störchin, deren Nummer jedoch nicht abgelesen werden konnte. Am folgenden Tag kopulierte diese Störchin auf dem Zußdorfer Horst mit dem zweijährigen Salemer A4500, der zuvor in Wilhelmsdorf und Hasenweiler Fuß zu fassen suchte und jetzt auf dem Zogenweiler Horst brütet (oberschwäbisches Roulette ums Pfrunger-Burgweiler Ried!). In den folgenden Tagen beruhigte sich das Geschehen. Geblieben sind der Wilhelmsdorfer Franzose und die in Zußdorf Geborene. Seit Ende April brüten sie. Juni: Zwei Junge schlüpften in Zußdorf Ende Mai. Eines der Beiden hat das Pfingstwetter erfreulicherweise überlebt. Am Freitagmorgen, den 22. Juni, erhält der Jungstorch seinen Personalausweis, den schwarzen Ring der Vogelwarte Radolfzell mit einer eigenen weißen Nummer. Viele Augenpaare der Kinder des örtlichen Kindergartens werden das Geschehen verfolgen und wahrscheinlich wird die fröhliche Schar die Storchenbeauftragte mit Fragen löchern. Mit Begeisterung waren die Kinder von Schule und Kindergarten bei der Beringung dabei, alles wollten sie wissen über den kleinen Storch und seine Eltern. Nun hat der Jungstorch seine Nestlingszeit gut überstanden, im Alter von 10 Wochen verließ er erstmals seinen Horst. Sein Jungfernflug am Samstag, den 28. Juli, führte just auf das Dach des Ortsvorstehers, wo gerade eine Hochzeit stattfand. Na, wenn das kein gutes Omen ist! 2006: Am letzten Februartag erschien der erste Storch in Zußdorf. Einen Tag später war auch der zweite eingetroffen. Es handelt sich wieder um das Schweizer Männchen, das früher lange in Illmensee gebrütet hat, und die nun siebenjährige Storchendame aus Böhringen, seine letztjährige Gattin. Mit dem Brutgeschäft begannen sie zwischen dem 5. und 12. April. Juni: Gegen Mitte Mai schlüpften in Zußdorf die jungen Störche.
Doch als sie wenige Tage alt waren, spielte sich ein Drama ab. Das Männchen,
unser altbekannter Baumeister (wir erinnern uns: er errichtete das Nest
auf dem Mast in einem einzigen Tag), starb. Der Landwirt, der ihn auf
dem Acker fand, warf ihn in die Hecke, niemand wusste Bescheid. Als man
den Storch einige Tage später am Abend vor Himmelfahrt fand, war
es schon zu spät. Zwar wurde in Windeseile am Morgen des Himmelfahrtstags
die Feuerwehr organisiert, doch waren die kleinen Störche bereits
verhungert und anscheinend von Krähen oder einem Milan geholt worden,
das Nest war leer. 2005: Unser Zußdorfer
Baumeister – er vollbrachte im letzten Jahr mit seinem Nestbau in
Hochgeschwindigkeit dank des Astholzangebots der nahen Streuobstgebiete
eine wahre Meisterleistung – hat wieder seinen Horst bezogen. Am
21. März gesellte sich ein Weibchen zu ihm; die Storchendame ist
jedoch eine andere als letztes Jahr, denn sie trägt im Gegensatz
zu ihrer unberingten Vorgängerin einen (wahrscheinlich Radolfzeller)
Ring mit der Nr. 07263 unten am linken Fuß. 2004: Dem früheren
Illmenseer Storchenmann, der letztes Frühjahr
vom Senderstorch „Bodi“ aus Illmensee vertrieben wurde und
daraufhin vergeblich versuchte das Wilhelmsdorfer
Nest zu erobern, war die Sache dieses Jahr zu bunt. Kurzerhand beschloss
er, sich einfach ein neues Nest in einem anderen Ort in der Nähe
zu bauen und erwählte sich einen Strommast in Zußdorf. In einer
unglaublichen Geschwindigkeit errichtete er dort einen Horst – das
Nest war praktisch schon in einem Tag mehr oder weniger fertig, sodass
entschieden wurde, ihm keine andere Nestunterlage auf einem Nachbarhaus
anzubieten, sondern ihn auf dem Mast zu belassen. Der Mast wurde umgehend
gesichert, was glücklicherweise gelang, ohne das Nest zu entfernen
und den Storch, der inzwischen schon mit dem Einbringen von weichem Polstermaterial
beschäftigt war, allzusehr zu stören.
|