Die Störche Oberschwabens



Marbach



2012: Die beiden aus Isny und aus Oggelshausen stammenden Marbacher Brutstörche haben wie ihre Eltern nicht den Zug in den Süden angetreten. Sie haben den Winter im Schwarzachtal verbracht. Wahrscheinlich haben sie sich da mit dem überwinternden Herbertinger Weibchen angefreundet, denn am 26. März entschieden sie sich auf einmal, ihren Horst auf dem Marbacher Kirchturm zu verlassen und auf das Herbertinger Kirchturm-Nest umzuziehen. Das Nest auf dem Herbertinger Kirchturm war frei geworden, weil die Herbertinger Störche sich schon letztes Jahr auf einem Hauskamin ganz in der Nähe eine Zweit-Wohnstatt gebaut hatten und dort im Jahr 2011 auch brüteten. Erstaunlicherweise hatten die Herbertinger Störche – sonst vehement alle Konkurrenten vom Kirchturm vertreibend – gegen die plötzliche Nachbarschaft der beiden Überwinterer aus Marbach nichts einzuwenden. Vermutlich lag es daran, dass man sich vom Winter her schon kannte. Und so brüten jetzt zwei Paare in Herbertingen, das Marbacher Nest wird dagegen dieses Jahr wohl storchenlos bleiben. Allerdings ist noch nicht aller Tage Abend, denn es sind immer noch Störche unterwegs, die einen Brutplatz suchen. Und falls es dieses Jahr nicht mehr klappt, wird das Nest ja vielleicht nächstes Jahr durch ein anderes Paar besiedelt. Hoffen wir es, die Marbacher Bürger würde es jedenfalls freuen.

2011: Bis 1966 brüteten regelmäßig Störche auf dem Kirchturmdach in Marbach im Schwarzachtal. Besetzt waren von da an im Schwarzachtal nur noch Bad Saulgau und Herbertingen. Seit einigen Jahren gibt es auch wieder Störche in Moosheim, in Marbach ließen sich jedoch keine Adebare blicken.
Am 12. März diesen Jahres kletterte Zimmermann Beller aus Herbertingen aufs Marbacher Kirchturmdach und richtete die Nistunterlage wohnlicher her. Um Störche anzulocken, wurde außerdem das Dach unterhalb des Nestes gekalkt (es werden Kotspuren vorgetäuscht, um Störchen auf diese Weise zu signalisieren: Hier waren schon früher Störche, dies ist ein guter Ort zum Brüten!).
Anfang April – das Wetter war schön – kam mit den guten Aufwinden nochmals ein Schwung Weißstörche aus dem Süden zurück. Prompt ließ sich ein Storchenpaar auf dem Kirchturm in Marbach nieder. Beide stammen aus Oberschwaben, das Männchen ist ein Oggelshausener, erblickte also am Federsee das Licht der Welt, und zwar vor drei Jahren. Seine frisch Angetraute ist noch ein Jahr jünger und stammt aus dem Allgäu, nämlich aus Isny. Sie klappern einträchtig auf dem Kirchturm, schauen sich im Schwarzachtal um und bereiten sich langsam auf die kommende Brut vor. Wir sind gespannt.
Mitte April lagen tatsächlich die ersten Eier im Nest und wurden von da an 32 Tage lang abwechselnd von der Isnyerin und dem Oggelshausener bebrütet. Dann schlüpfte das erste Junge und – vermutlich mit Verzögerung von ein paar Tagen – noch ein zweites. Beide erhielten am 22. Juni ihren Personalausweis ans linke Bein, den ELSA-Ring mit persönlicher Nummer, welches Ereignis von den Marbacher Bürgern gebührend gefeiert wurde. Der jüngere Nestling erwies sich bei der Beringung als noch ziemlich schmächtig und hat seine kritische Zeit noch nicht überstanden, sein älteres Geschwister schnappt ihm bei der Fütterung wohl die besten Happen weg.
Der Oggelshausener, der Vater der Jungen, ist übrigens derselbe Storch, der im letzten Jahr (2010) einige Wochen lang die von ihrem Gatten schmählich verlassene alte Riedlinger Störchin tröstete.

Anfang August: Die Marbacher freuen sich: Beide Jungstörche haben es geschafft. Der erste traute sich am 1. oder 2. August vom hohen Kirchturmdach. Seinem Geschwister fehlt zum Abflug anscheinend noch der Mut, in den nächsten Tagen wird aber auch er seinen Jungfernflug meistern.  Langsam wird es auch Zeit, denn die Jungstorch-Trupps sammeln sich schon, und etwas Übung vor der großen Reise kann nicht schaden.



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