Die Störche Oberschwabens



Einhart

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2011: Sissi und Franz, die Pfälzerin und der Tüfinger sind seit Anfang März wieder in Ostrach-Einhart. Sie bezogen eine ganz neu hergerichtete Wohnstatt, denn die EnBW hat den Mast dauerhaft gesichert und ihren Horst behutsam auf eine stabile Nistunterlage gesetzt. Außerdem wurde das Nest gesäubert, das abdichtende Material entfernt und durch luftiges Astwerk ersetzt.
Schon Ende März lagen die ersten Eier im Nest, seitdem wird abwechselnd gebrütet.

Juni: Am Ostermontag begann sich Leben im Einharter Nest zu regen, und nach ein paar Tagen waren vier Köpfchen im Horst zu sehen. Das Nesthäkchen konnte zwar eine Weile lang mithalten, nach und nach wurde es aber zunehmend schwächer und starb im Alter von vier Wochen. Die anderen drei wurden am 4. Juni beringt und erwiesen sich – sie waren zu diesem Zeitpunkt fast sechs Wochen alt – als etwas untergewichtig, denn alle wogen weniger als 3 kg. Hoffen wir, dass sie in nächster Zeit noch etwas zulegen können, damit sie als flugfähige Störche einen guten Start ins Leben haben.

Anfang August: Am 6. Juli war es schließlich soweit. Die Einharter Störche hatten genug geübt und wollten es jetzt wissen. Ab ging's durch die Lüfte über die Dächer von Einhart und zu den Wiesen, die sie schon so lange nur vom Nest aus gesehen hatten. Zusammen mit den Eimühlern und den Levertsweilern futtern sie jetzt was das Zeug hält, um sich auf ihre erste große Reise vorzubereiten.
Es gab dann aber, kurz nachdem die Einharter das Flliegen gelernt hatten, doch noch einen kleinen Zwischenfall, der mal wieder der Nachlässigkeit von uns Menschen zuzuschreiben ist: Der Schnabel eines der Einharter Jungstörche verfing sich in einem Gummiring, den er eine ganze Woche lang nicht losbekam. Zwar konnte der Storch den Schnabel noch öffnen, doch behinderte ihn das Utensil beim Fressen. Das Einfangen eines flugfähigen Storchs ist jedoch äußerst schwierig, weshalb wir sehr erleichtert waren, dass er den Gummi schließlich doch selbst entfernen konnte. Abfälle in der Landschaft werden zunehmend zu einem Problem, nicht nur für die Störche, sondern sicherlich auch für viele andere Tiere. Deshalb hier nochmals meine dringende Bitte an unsere Leser: Lassen Sie keinen Müll in der Landschaft. Sollten sie Gummis, Schnüre oder ähnliches herumliegen sehen, packen Sie sie bitte ein (sofern Sie eine Tüte oder ähnliches bei sich tragen) und entsorgen sie die gefährlichen Utensilien in einem Mülleimer. Die Störche bedanken sich bei Ihnen.

2010: Bange Tage erlebten die Levertsweilerer, als sie erfuhren, dass sich das Ostrach-Levertsweiler Männchen dieses Frühjahr auf einmal in Ostrach-Einhart niedergelassen hatte. Es war hier am letzten Februartag erschienen und besetzte wie selbstverständlich das Nest.
Als jedoch das letztjährige Einharter Storchenpaar – der Tüfinger und die Pfälzerin – ankamen, es war am 10. März, besann er sich auf seinen alten Horst und ließ sich in Einhart kaum noch blicken. Vermutlich schaute er am 14. März nochmal vorbei, denn an diesem Tag wurde am Nest ein Fremdstorch gesichtet.
Die beiden Horstinhaber besetzten ihren Horst dieses Jahr fast einen Monat früher als 2009, als sie sich zum erstenmal in Einhart trafen und honeymoon feierten. Auch mit der Brut ist man dieses Jahr deutlich früher dran, seit Anfang April wird eine Gelege bebrütet.

Juni: Am 4. Mai wurden die ersten geschlüpften Jungen im Horst beobachtet, im Verlauf der nächsten Tage schälten sich noch zwei weitere aus ihren Eiern. Die Eltern hielten sie warm unter ihrem Gefieder und schützten sie gut. Das Kleinste starb dann aber doch gegen Ende der Kälteperiode am 17. Mai. Immerhin überlebten drei der Junge wider Erwarten die dreifachen Eisheiligen. Man darf gespannt sein, welche Namen sie anlässlich der Beringung am 8. Juni diesmal von den Einharter Bürgern erhalten (vgl. 2009).

Juli: Lena und Anton heißen sie dieses Jahr (das Jüngste der drei war am 3. Juni gestorben). Und besonders Anton zeigte sich bei seiner Beringung ganz schön aufmüpfig. Es war aber auch ein ziemlich heißer Tag, und man musste aufgrund der mangelhaften Sicherung der Drähte mit der Hebebühne des Bauhofs Ostrach über den Horst fahren und den Jungen auf umständlichste Weise (Storchenbeauftragte in halb liegender Position) den Ring anlegen, sie wiegen und vermessen. Lena (der kleinere der beiden gleichaltrigen Jungstörche ist sehr wahrscheinlich ein Weibchen) scheint jedoch die Aufgewecktere der Familie zu sein, denn sie wagte sich einen Tag früher als ihr Bruder vom Nest, drehte sogleich fünf Runden um den Horst und landete ohne Anfangsschwierigkeiten, als ob sie schon immer geflogen wäre, wieder neben ihrem Bruder. Es war der 14. Juli. Schon wenig später erhob sie sich wieder in die Lüfte, diesmal um Nahrung zu suchen. Sie behielt das erste selbst gefangene Futter jedoch nicht für sich, sondern würgte es im Nest aus, um es gemeinsam mit ihrem von den Eltern wahrscheinlich schon auf Schmalkost gesetzten Bruder zu verzehren. Wahre Geschwisterliebe. Na, glücklicherweise nützte Anton die Vorsorglichkeit seiner Schwester nicht aus, vielleicht war es ihm auch zu langweilig so plötzlich allein auf dem Nest oder er war einfach neugierig. Jedenfalls hielt es ihn auch nicht mehr lange auf dem Horst, und so ist die Familie nun vereint auf den Einharter Wiesen zu sehen. Jetzt heißt es ordentlich futtern, denn schon in wenigen Wochen geht's ab in den Süden.

2009: Neue Storchen-Ansiedlung in Einhart!
Zwar hatten vor zwei Jahren schon einmal Störche in Einhart angefangen, ein Nest zu bauen, doch waren dies die Ostrach-Wangener, bei denen nach Brutverlust nochmals der Bautrieb ausbrach. Die Zweitwohnung wurde nicht dauerhaft bezogen.
Diesmal sieht es jedoch tatsächlich nach einer ernsthaften Ansiedlung aus. Denn zwei augenscheinlich brutwillige Störche bauen in Ortsmitte auf einem Niederspannungsmast ein neues Nest, das schon recht weit gediehen ist. Das Männchen stammt aus Tüfingen am Bodensee und ist erst zwei Jahre alt, das Weibchen ist uns als Brutstörchin aus Ostrach-Wangen bekannt; es ist die nun vierjährige Pfälzerin aus Kapsweyer. Man darf gespannt sein, wie die Sache weitergeht. Verbesserungen des umliegenden Nahrungsgebiets sind auf jeden Fall angesagt, damit sie nicht den Eimühler Störchen zu sehr ins Gehege kommen.


Juni: Also, die Störche von Einhart haben es tatsächlich angepackt. Ziemlich genau am 20. Mai schlüpften die ersten beiden Jungen aus dem knapp über einen Monat umsorgten Gelege. Zwei Tage später pellte sich noch ein Dritter aus den Schalen. Das Unwetter am 26. Mai konnte ihnen nichts anhaben, denn die drei noch sehr kleinen Daunenknäuel passten gut unter das schützende Gefieder von Mama (oder war es Papa?). Die oberhalb des Mastes am Hang wohnenden Bürger von Einhart brauchen jedenfalls keine Nestkamera, um Spannertätigkeiten im Storchenhorst nachzugehen; ihre Balkone sind ein Logenplatz.

Juli: Augenscheinlich war das Nesthäkchen durch Futtermangel und Wetterkapriolen doch zu sehr geschwächt, denn am 1. Juni waren nur noch zwei Küken im Horst zu sehen. Diese beiden wurden aber gut versorgt, sie brachten bei ihrer Beringung im Alter von fünf Wochen nahezu drei Kilo auf die Waage. Für die Einharter Bürger war die Beringung ihrer ersten Störche am 24. Juni Anlass zu einem kleinen Fest. Bei Kaffee und Kuchen wurden Lieder über Freund Adebar gesungen und die beiden ersten Einharter Jungstörche auf die Namen Josef und Maria getauft. Die beiden Elternstörche erhielten übrigens nicht weniger prominente, wenn auch eher weltliche Namen, hier musste ein bekanntes österreichische Kaiserhaus herhalten: In Wangen sind sie nun bekannt als Sissi und Franz.




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