Die Störche Oberschwabens



Staig



Fotos: Georg Steinhauser 2011

2011: Die Neubesiedlung durch Störche in Staig im letzten Jahr etabliert sich. Die Störche, und zwar die Horstinhaber vom letzten Jahr, sind zurückgekommen. Das Männchen wurde erstmals am 1. März in Staig gesehen, genau eine Woche später kam seine Gattin an. Es wurde zunächst am Horst gebaut und sich eifrig gepaart. Ende März war es dann schon soweit, die Beiden begannen mit der Brut.

Juni: Um den 27. April schlüpften die ersten kleinen Störche in Staig, und ein paar Tage später waren schließlich drei Köpfchen im Staiger Horst zu sehen. Die Jungstörche entwickelten sich gut, sie waren gut im Futter und wurden schnell größer. Auch der kleinste hielt gut mit. Am 8. Juni wurden alle drei beringt und für optimalgewichtig befunden. Ein unversehrtes Ei lag auch noch im Nest. Die Beringungsaktion, bei der außerdem gefährlicher Müll wie Plastikabfälle und Schnüre aus den Horsten entfernt wird  – dieses Jahr leider in vielen Horsten zu finden –, wurde mit einer Hebebühne der Fa. Mateco durchgeführt. Finanziert wurde die Hebebühne dankenswerterweise mit Spenden der Gemeinde Fronreute, des BUND Ravensburg und des BUND Schenkenwald.

Anfang August: Die Jungstörche in Staig wuchsen heran und ähnelten in Größe und Statur mehr und mehr den Eltern, als sie schließlich Mitte Juli vom Nest abhoben und zu fliegen begannen. Einer der drei kam allerdings nicht weit und wurde noch am selben Tag in den Straßen von Staig geschwächt aufgelesen. Er kam in Pension zu den Maurers vom Preußenhäusle, wo er seitdem die Tage frei auf der Wiese, die Nächte geschützt in einer Volière verbringt und täglich mit von den Maurers frisch gefangenem Fisch versorgt wird. Mit dem Fliegen will es aber immer noch nicht recht klappen. Möglicherweise hat er sich bei seinem ersten Ausflug eine kleine Verletzung am Flügel zugezogen, weshalb er demnächst nach Salem zum Affenberg gebracht werden soll, wo demnächst ein Platz in der Voliére frei wird. Hoffen wir, dass er wie seine Geschwister doch noch dieses Jahr den Zug in den Süden antreten kann.

2010: Das Föhrenrieder Männchen, ein vierjähriger Storch aus Ertingen, wollte tatsächlich nicht mehr auf den Baumhorst ins Föhrenried zurück. Er musste dort im letzten Jahr ein schlimmes Unwetter erleben und dabei zusehen, wie nahezu sämtliche Bäume in Nähe seines Horstes durch den Sturm gefällt wurden und seine vier Jungen im Nest umkamen. Er zog daher einen geschützteren Platz innerhalb der benachbarten Ortschaft Staig vor und baute im Frühjahr am bereits im vorigen Jahr zusammen mit seiner Partnerin "Antonia" begonnenen Horst auf einem Niederspannungsmast weiter. "Antonia" erschien aber nicht. Wo ist sie abgeblieben? Niemand hat sie bisher irgendwo gesehen. Der Ertinger muss deshalb aber nicht Trübsal blasen, schließlich gibt es noch andere Storchendamen, wie wär's z.B. mit einer Jungen vom Bodensee? Die zweijährige Dame aus Tüfingen kam gegen Ende März und fand am Ertinger und seinem Nest Gefallen. Man wurde sich schnell einig, und da Antonia nicht zurückkam, stand der Vermählung der beiden nichts im Wege. Seit Anfang April sitzen sie abwechselnd auf ihren Eiern.

Juni: Der erste Staiger Storchennachwuchs ist da. Drei kleine Störche bevölkerten bis Ende Mai das Nest auf dem Mast. Zwar gelang es den Eltern, die flaumigen Knäuel gegen Nässe und Kälte gut abzudecken, zwei waren aber doch zu geschwächt, um auch die Güsse Anfang Juni zu überstehen. Denn am 3. Juni entließen die Wolken an die 50 Liter Regen pro m² in Staig. Immerhin hat es ein Jungstorch bisher trotz sämtlicher Widrigkeiten geschafft, und so wird es Mitte Juni vermutlich ein kleines Beringungs-Fest in Staig geben.

Juli: Die Beringung des ersten Staiger Jungstorchs mit der Ravensburger Feuerwehr wurde trotz sehr mäßigen Wetters (die Schafskälte hatte gerade begonnen) gebührend gefeiert, fast die gesamte Staiger Bürgerschaft war unter dem Horst versammelt.
Erfreulicherweise überstand dann der kleine Storch auch gut die nächsten nasskalten Tage, und setzte am 16. Juli erstmals zu einem Ausflug vom Nest an. Dieser gelang ihm allerdings nicht ganz so gut. Zwar kam er unbeschadet unten an, doch der Rückflug auf den Horst wollte nicht mehr gelingen; er hätte halt doch noch ein paar Tage warten sollen. Dafür wächst man ja allerdings im Ort auf, damit freundliche Menschen einem in einer solchen Situation helfen. Einige Staiger Anwohner und Tine Maurer vom Preußenhäusle trieben ihn von der Straße und fingen ihn ein, die Feuerwehr setzte ihn zurück auf seinen heimischen Horst. Dort blieb er nun eine Weile, er musste seinen ersten Ausflug erstmal verdauen und ein paar Tage lang wieder Mut sammeln. Schließlich wagte er es noch einmal, und diesmal klappte es. Die große Bewährungsprobe kommt jedoch noch, denn der weite Flug in den Süden steht unmittelbar bevor. Wünschen wir ihm eine gute Reise.




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