Die Störche Oberschwabens

zusammengestellt von Ute Reinhard, Irndorf
(Weißstorchbeauftragte des Regierungspräsidiums, Abt. 56 Naturschutz und Landschaftspflege Tübingen)
und Rainer Deschle, Marbach a.d. Lauter

Impressum



Der Weißstorch (Ciconia ciconia)

Der Weißstorch ist einer unserer schönsten und imposantesten Vögel. Als einziger Großvogel hat er sich freiwillig dem Menschen angeschlossen. Es verwundert daher nicht, dass sich Menschen schon seit langer Zeit für den Storch interessieren und auch geradezu mythologische Beziehungen zum Storch entwickelten. Man denke zum Beispiel an das Märchen vom Kalif Storch oder an die Mär, wonach der Storch die Kinder bringt, die gern von Eltern übernommen wurde, die gewisse Probleme mit der Aufklärung ihrer Kinder hatten.

Das Storchenjahr 2010

Als es bei uns am 6. März nochmals so richtig winterlich wurde und ganz Oberschwaben unter einer Schneedecke versank, waren schon viele unserer Adebare aus dem Süden zurückgekehrt. Manche verzogen sich gleich wieder angesichts des unwirtlichen Wetters in mildere Gefilde (vermutlich an den Bodensee), andere aber harrten auch geduldig an ihrem Brutort aus und fanden in Gräben oder an Bachufern immer noch etwas zu futtern.
Als es dann wirklich Frühling wurde, waren fast alle Horste sehr schnell besetzt. Teilweise gab es heftige Streitereien. Die Brut hat zwar in den meisten Nestern schon begonnen, doch sind immer noch Störche unterwegs – überwiegend Halbstarke -, die an den Horsten Kämpfe anzetteln, welche bisher jedoch erfreulicherweise glimpflich abgelaufen sind.
Kein trautes Zusammensein gibt es diesmal für unser ältestes Storchenpaar: Der nun 31-jährige Storchenmann in Riedlingen auf dem Rathaus hat nach 21-jähriger Ehe sein jetzt 36-jähriges Weibchen verlassen und ist nach Ertingen, wo er schon 1982 einmal brütete, zu einer Jüngeren umgezogen! Das alte Weibchen, zunächst von einem blutjungen Storch aus Oggelshausen beglückt, wurde Anfang April von ihrem angestammten Horst vertrieben (siehe Riedlingen).
Es gibt in diesem Jahr wieder einige neue Brutorte, wir hoffen auf eine gute Brutsaison.

Juni: Viele Storchenfreunde, nicht zuletzt auch wir Betreuer, hatten im kalten und nassen Mai große Angst um die Storchenbrut. Denn zahlreiche Junge waren schon geschlüpft. Ganz entgegen der düsteren Erwartungen blieb das große Desaster jedoch aus. Ein großer Teil der Jungen hat die dreiwöchig andauernde Kältewelle erstaunlich gut überstanden. In vielen Horsten tummelten sich Anfang Mai drei oder vier Junge, und die meisten Familien waren am Ende dieser Kälteperiode noch komplett. Hier zeigt sich mal wieder, dass das Wetter (von Unwettern abgesehen) in den ersten Aufzuchtwochen, wenn die Jungen noch von den Altstörchen geschützt werden können, nicht die entscheidende Rolle spielt. Auch sind Störche nicht auf frühe Mahd der Wiesen angewiesen (Ausnahme: artenarme, hoch- und dichtwüchsige Wiesen). Denn die Wiesen standen diesmal bis Ende Mai, waren aber auch oft nicht so wüchsig wie sonst. Werden Wiesen nicht überdüngt und zu dichtwüchsig, so bieten sie den Störchen auch im ungemähten Zustand Nahrung. Auf gemähten Wiesen können dagegen in der ersten Zeit nach der Mahd lediglich Regenwürmer gefunden werden und dies auch nur, wenn es nicht allzu trocken ist. Wichtig sind bei schlechtem Wetter allerdings horstnahe Nahrungsgebiete, und wo diese fehlten, sind die Jungen in ihrer Entwicklung deutlich zurückgeblieben. Stark unterernährt waren vor allem die Nesthäkchen, und in einigen dieser Horste starben sie dann auch gegen Ende Mai, als es nochmals regnerisch und kalt wurde. Insgesamt sah es jedoch – von einigen Problemhorsten abgesehen – bis Anfang Juni ganz gut aus.

Juli: Die Jungen, die Mitte Juni schon 5-6 Wochen alt waren, überstanden dann auch die Schafskälte, die am 16. Juni mit nächtlichen Temperaturen von nur 5°C und viel Regen einsetzte, einigermaßen gut. Nicht aber diejenigen, die als Nachzügler später geschlüpft waren. Die Jungstörche von Bichtlingen, Föhrenried, Krauchenwies, Waldbeuren und Wilhelmsdorf erwischte es gerade in ihrer kritischsten Zeit, wenn das Deckgefieder noch nicht vollständig ausgebildet ist, das Flaumgefieder aber schon dünn wird, und sie schon zu groß sind, um von den Eltern noch geschützt zu werden. Sie starben kurz vor ihrer Beringung.

Die Liste der Wiederfundmeldungen in Oberschwaben geborener Störche konnte wieder beträchtlich erweitert werden, weil wieder sehr viele Ringe abgelesen wurden. Hier kann sie als pdf-file heruntergeladen werden.

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Die vergangenen Jahre seit 2004 (Archiv)




Karte für 2010

Uebersichtskarte



Grundlage: Reliefkarte 1:600 000 Baden-Württemberg
©Landesvermessungsamt Baden-Württemberg (www.lv-bw.de), vom 27.05.04, Az.: 2851.3-A/372.

AC Achstetten ES Esenhausen
OS Ostrach
AH Altshausen FL Fleischwangen OSG Obersulgen
AG Algershofen Föhrenried OSW Ostrach-Wangen
AHE Altheim FR Frickingen RI Riedlingen
AL Alleshausen GÖG Gögglingen RIH Riedhausen
AU

Aulendorf

GR Griesingen ROA Rottenacker
BB Bad Buchau GRB Grasbeuren RU Rulfingen
BWU Bad Wurzach HA Hasenweiler SC Scheer
BA Baitenhausen HAU Hausen am Andelbach SCB Schemmerberg
BC Biberach
HE Herbertingen SCH Schemmerhofen
BIC Bichtlingen ILL Illmensee SLG Saulgau
BI Billafingen IN Ingoldingen SAL Salem und Umgebung
BE Beizkofen IS Isny ST Staig
BL Blochingen KB Kirchbierlingen SMH Storchenstation am Affenberg Salem – Mendlishauser Hof
BSR Bad Schussenried
KW Königseggwald
SSG Salem Schwarzer Graben
BW Bad Waldsee
KR Krauchenwies Tüfingen
DA Daisendorf LA Langenau UM Ummendorf
DAT Datthausen
LE Levertsweiler
UN Unlingen
DAU Daugendorf MA Markdorf
US Untersulmetingen
DE Denkingen ME Mengen UT Uttenweiler
DEI Deisendorf MIM Mimmenhausen WA Wangen
  Donaustetten MO Mochenwangen-Preußenhäusle WAB Waldbeuren
Dürmentingen MH Moosheim
WE Westerstetten
EH Ehingen MES

Meßkirch

WI Wilhelmsdorf
EI Eimühle MU Munderkingen
ZE Zell
EIN Einhart MÜL Mühlhofen ZO Zogenweiler
EM Emerkingen NKW Neukirch-Wilpoltsweiler ZU Zußdorf
ER Ertingen OH Oggelshausen ZW Zwiefaltendorf
ERN Ernatsreute OLK Ölkofen    
ERS Ersingen OM Obermarchtal    

 


 

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Stand: 12. August 2010